80 Grad Nord

Möglichst zügig zum nördlichsten Punkt der Reise, dann gemütlich und relaxt zurück bummeln, so lautet die Strategie. Entsprechend zahlreich sind unsere Stopps, jeden Tag eine Ankerbucht mit eigenem Zauber und Erlebnissen. Vom blauen Wunder Lilliehookbreen geht es in die Hamburgbukta, in der man geschützt ankert wie in einem großen See. Bestimmt ein schöner Anblick aus der Vogelperspektive, doch erfahren werden wir es nie, denn genau dort entscheidet sich Heikos Drohne für die Freiheit, kappt die Verbindung zu uns und taucht final unter. Also schauen wir von Land aus aufs Schiff und nutzen außerdem die Einsamkeit, um endlich Mausi auszuprobieren. Eine beeindruckende Erfahrung in Sound und Rückschlag! Und Heiko durchschießt direkt beim ersten Mal glatt die Ziel-Bierdose, mal sehen, ob wir dafür noch Pfand zurückbekommen.

Als nächstes ankern wir im dramatisch schönen Magdalenefjord, der tief genug ist, um auch von Cruiseships und somit großen Gruppen besucht zu werden. Gravneset, die Walfänger-Grabstätte aus dem 17. Jahrhundert, ist deshalb mittlerweile eingezäunt und es sind Sysselmesteren stationiert. Zum ersten Mal auf Svalbard werden unsere Papiere und Genehmigungen kontrolliert. Beziehungsweise merken Erik und Morten, Polizist und Biologe vom norwegischen Festland, nach längerer Unterhaltung über alles Mögliche eher zurückhaltend an, dies gehöre halt auch zu ihren Aufgaben. Solche Sommerjobs auf Svalbard sind sehr begehrt, lernen wir, und man muss sich langfristig bewerben und Glück haben, um genommen zu werden. Diese beiden haben es sicher verdient, denn sie lieben es sichtlich sehr, hier zu sein.

Unsere schon vor Monaten beantragte Sondergenehmigung für das nächste Ziel, Virgohamna, zeigen wir gleich mit vor, dies soll unser nördlichster Ankerplatz sein. Doch 6 Beaufort aus Nord machen uns einen Strich durch die Rechnung, wir weichen aus in die geschütztere Smeerenburgbukta gegenüber, auf der Südseite der Insel Amsterdamøya. Virgohamna ist ein geschichtsträchtiger Ort: Sowohl Salomon August Andrée als auch Walter Wellman starteten von hier aus ab Ende des 19. Jahrhunderts ihre (gescheiterten) Ballonfahrten zum Nordpol. Sie errichteten Häuser und Hangars und schafften tonnenweise Equipment auf die abgelegene Insel. Die verrottenden Überreste all dessen sind heute dort zu sehen, von festgelegten Pfaden aus kann man sie sich ansehen und erahnt ein wenig den Pioniergeist und die Verwegenheit dieser Entdecker. Wir dagegen finden es schon ausreichend heldenhaft, die knappe Seemeile bei dem Wind zweimal im Dinghi zurückgelegt und die eiskalte Durchnässung überlebt zu haben.

Eigentlich hätten wir umkehren können nach diesem Highlight, doch da ist noch das Thema mit der nördlichen Breite. Eigentlich Blödsinn, nur eine Zahl auf einem Instrument. Andererseits DIE Zahl auf dem Instrument, was wäre denn 79°44,1‘N für ein Wendepunkt?! Hoch am Wind segeln wir also am nächsten Tag 16 Seemeilen einfach ins endlose blaue Nichts Richtung Nordpol. Außer uns nur ein paar Puffins und Möwen hier draußen, alle paar Zeiten bläst in der Ferne ein Wal und zeigt kurz seinen grauen Rücken. Die elektronische Seekarte endet, nun dauert es nicht mehr lange, bis das GPS tatsächlich die magischen 80 Grad nördlicher Breite anzeigt. Geschafft, hier einmal zu sein, das haben wir uns letzten Winter immer wieder ausgemalt. Wir gehen eine Weile auf Drift, es gibt Rum für uns und die Götter und Geister der See, dazu den fantastischen Blick auf das eisige Spitzbergen aus NNW. Der Wind lässt nach, zurück an die Küste segeln wir ganz genüsslich unter Blister. Ab jetzt sind wir auf Südkurs.

Heidi wulf
Juli 21st, 2023 at 8:44 am

Den Schluck Rum habt ihr euch verdient, ein besonderer Moment irgendwo im Nirgendwo sehr hoch im Norden!!! Lbgr hup

Manfred
Juli 19th, 2023 at 9:23 pm

Und wir von der AURIGA frieren schon auf 50°N…
Gute Weiterreise und lasst uns weiterhin an Euren tollen Erlebnissen teilhaben!
Gruß von Ute und Manfred
P.S.: Den Pfand für die Bierdose zahlen wir, falls das mit der Rückgabe nix wird…

Brigitte.Matthews@btinternet.com
Juli 19th, 2023 at 6:33 pm

Congratulations!!! Fantastic achievement. We just managed to crossed the 63 parallel. B&R

Sven
Juli 18th, 2023 at 12:17 pm

80 Grad Nord!!!
Das klingt wahrlich heldenhaft und auch nach „janz, janz weit draußen“ …
Und die Drohne weg! Na ja, die alten Götter und Geister des nördliches Meeres fordern halt immer noch ihre Opfer. Aber solange euch der Rum nicht ausgeht …
Gute Fahrt südwärts, legt schon mal die T-Shirts bereit.

Ludger
Juli 18th, 2023 at 9:01 am

Welch eine Heldenfahrt für uns schnöden Ostseesegler…schickt Bilder…. alles Gute für den Südkurs und die obligaten Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Silke
Juli 18th, 2023 at 7:05 am

Ihr Helden! Ich freue mich so für euch.. Gute Heimreise!!!!…hab ich doch richtig verstanden, oder?

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SY Flying Fish by Heiks
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80 Grad Nord

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