Lyngsalpan

„Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, hier habe eine höhere Macht die Alpen im Nordmeer versenkt und die höchsten Spitzen hinausschauen lassen!“, sagt sehr treffend das Guidebook über Lyngsalpan, die Lyngalpen. Über 90 Kilometer erstrecken sie sich (bis zu 1.834 Meter hoch) in nord-südlicher Richtung zwischen Ullsfjord und Lyngenfjord. Wir sind ihnen von beiden Fjordseiten auf die Pelle gerückt. Zunächst aus Lenangsøyra, das ich am Ende des vorherigen Blogbeitrags leichtfertig als „spektakulär unspektakulär“ bezeichnet habe, nachdem wir Flying Fish bei Wolken und Nebel festgemacht hatten. Doch der Reihe nach: Mit den Bordfahrrädern geht es am Sonntag von dort aus sieben Kilometer südwärts zu einem Wanderparkplatz und dann zwei Stunden zu Fuß bergan, einem gerölligen Bachbett und roten Markierungen folgend. Das Ziel ist der Gletschersee Blåisvatnet, der seine Beschreibung schon im Namen trägt: Blaues-Eis-See. Wir haben Glück, die Sonne setzt sich immer mehr durch und tatsächlich leuchtet der See in kreischblautürkis vor der Bergkulisse samt Gletscherzunge, unglaublich schön. Ein Geheimtipp ist er nicht, mit uns sind unzählige norwegische Sonntagsausflügler dort, genießen zum Picknick den Anblick, ein paar Kids trauen sich sogar ins eiskalte Wasser. Zurück in Lenangsøyra hat sich auch dort der Nebelvorhang gelichtet und wir können nur staunen über die zwei Gesichter des kleinen Hafens (s. die ersten beiden Fotos der folgenden Galerie).

Lange Diskussionen, ob wir am nächsten Tag die Motorfahrt in den Lyngenfjord auf uns nehmen, um ein zweites Mal in diesen Bergen zu wandern, oder uns lieber weiter gen Nordkap bewegen. Zum Glück entscheiden wir uns für die rund 40 Seemeilen Umweg und machen in Lyngseidet fest. Erst im letzten Sommer wurde hier eine nagelneue Sherpatreppe eröffnet, feierlich durch die norwegisch-samische Extrembergsteigerin Kristin Harila, die einen spektakulären Weltrekord hält: Kurz zuvor hatte sie innerhalb von nur 92 Tagen die 14 höchsten Berge der Welt erklommen. Unsere Tour ist nicht ganz so ambitioniert: Erst führen 856 Stufen steil bergauf durch sprießende hellgrüne Natur, dann wird die „Lyngentrappa“ zu einem Pfad mit weiteren einzelnen Treppenpassagen. Auf dem 468 Meter hohen Verdens Ende finden wir das Gipfelbuch und eine luxuriöse Schutzhütte vor, dazu mal wieder eine traumhafte View. In Kombination mit dem üblichen Gipfelapfel die perfekte Belohnung für die Stepper-Strapaze!

Und es hat uns in der Gegend gehalten: Nur knapp zehn Seemeilen nördlich von Lyngseidet befindet sich die unbewohnte kleine Insel Årøya, die wir schon auf dem Hinweg passiert und für interessant befunden haben (einem Tipp der Sarabande-Crew folgend, dank u wel, Deborah und Matthijs!), ein teils geschütztes Naturparadies. Seit gestern liegen wir hier am Steg, allein. Außer uns nur Seevögel und ein paar grasende Schafe, die dank der Glöckchen, die sie um den Hals tragen, immer gut zu verorten sind. In früheren Zeiten war hier mehr los, Archäologen haben zum Beispiel Spuren eines samischen Bärenkults gefunden. Und im 18. Jahrhundert wurde Årøya gar zu einem wichtigen Handelsplatz, verstreute alte Gebäude- und sonstige Reste zeugen davon. Die meisten Spuren hat WW2 hinterlassen: zahlreiche Bunker, Geschützstellungen, die Gräber zweier sowjetischer Kriegsgefangener – eine spannende und teils traurige Erkundungstour. Das intakteste Häuschen aber befindet sich direkt in Sichtweite vom Steg: die kleine Holzsauna, Benutzung ausdrücklich erlaubt und vorgesehen. Gestern Abend haben wir eingeheizt und es war ein Fest, sich zwischen den Saunagängen im Regen oder im Meer abzukühlen. Dass wir nach so viel Entspannung weite Teile der Nacht damit verbracht haben, mit allen auffindbaren Leinen und Tauen Schiff und Steg gegen den plötzlich in die Bucht pfeifenden Wind zu stabilisieren, fiel da kaum ins Gewicht. Heute steht das gleiche Abendprogramm an, nur ohne den Wind. Inselbrandmeister Heiko hat am Nachmittag Brennholz gesammelt und gesägt, gerade setzt Regen ein und zugleich beginnt es aus dem Saunaschornstein zu qualmen. Kann losgehen!

Manfred Schlott
Juni 23rd, 2024 at 11:57 am

Wir wünschen Euch eine tolle Reise ums Nordkap und warten jetzt schon gespannt auf die tollen Bilder und Erlebnisberichte. Hoffentlich schafft die Drohe das, den Fish vor dem Globus stilgerecht einzufangen…
Ute und Manfred

Heike
Juni 23rd, 2024 at 5:23 pm

Dankeschön, ihr Lieben, wir werden wie immer alles geben!

Heidi wulf
Juni 22nd, 2024 at 3:20 pm

Der Weg ist das Ziel. 40 Meilen Umweg. Schöner kann man es nicht in Wort und Bild beschreiben. Hier beginnt gerade die Kieler Woche. Lbgr hup

Heiko
Juni 23rd, 2024 at 11:37 am

Die Bilder und Filme zur KW in eurem Status machen uns viel Spass und bringen uns zurück an den Ort, wo die Reise mit dem neuen Fisch angefangen hat.

Ludger
Juni 21st, 2024 at 6:03 pm

Was soll man da kommentieren… außer das das Foto 1 und Foto 2 doch ganz sicher gephotoshopt sind! Genießt den Midsommer und die famose Landschaft – auch wenn er gelegentliche Pausen einlegt und Euch mit Leinenarbeit fordert. Hier ist Waschküchenwetter mit Niesel… beste Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Heiko
Juni 23rd, 2024 at 11:33 am

Der Unterschied zwischen eurer und unserer Waschküche ist der, dass sie hier mit kaltem Wasser waschen… heute ist allerdings Trockentag und wir hängen die Bäuche in die Sonne.

Susanne
Juni 21st, 2024 at 10:29 am

Aha, die beste Reiseleitung hatte wieder einmal Gipfelapfel… !
Vor dem Saunaholzmachen können Brezeln stärken (vorOrtKringel?)…
Liebe Grüße

Heiko
Juni 23rd, 2024 at 11:29 am

Da kam leider kein Kringelverkäufer vorbei und ich musste von meinen Reserven zehren…

Carsten
Juni 20th, 2024 at 9:26 pm

Sehr unspektakulär spektakulös 💪
Einfach Bähm!
Und sogar einmal ohne fischers frischen Frisch.
Gaaaaaaanz lieben Gruß an Euch
Zum Sommeranfang
Midsommer
LG von den KNUTT’is

Heiko
Juni 23rd, 2024 at 11:27 am

Die Fische sind hier leider im Moment kaputt und beissen nicht mehr. Beste Midsommergrüsse zurück

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