Von Bären zu Beeren

Skjervøy war eine gute Wahl, um wieder in Norwegen anzukommen: nicht so groß, dass es den Svalbard-Rückkehrer direkt erschlägt, aber mit der nötigen Infrastruktur. Wir haben Schlaf nachgeholt, ausgiebig Gebrauch von der Wasch- und Duschgelegenheit gemacht (die erste nicht schwankende Festland-Dusche seit Finnsnes vor 11 Wochen!), viel telefoniert und natürlich massig Zeit im Internet verschwendet. Das Schiff ist grundgereinigt und entsalzen, der Fish-Motor mit neuem Öl versorgt. Direkt am ersten Abend kam ein Fischer vorbei und schenkte uns eine Riesentüte voller frischer Shrimps, was für ein Empfang! Bei einer Rundwanderung zur Nordspitze der Insel, wo sich die Überreste eines alten Forts aus WW2 befinden, haben wir über all das Grün gestaunt wie die ersten Menschen und nach und nach vom Eisbär- in den Blaubeer-Modus gefunden – und nebenbei, auf dem nur 289 Meter hohen Gipfel des Trollet, festgestellt, dass wir ganz schön unfit geworden sind.

Erster Halt auf dem Weg gen Süden: der winzige Ort Finnkroken, von dem wir nicht mehr als eine ruhige Übernachtung am Steg der Schnellfähre erwartet haben. Der sei privat, festmachen nur nach Absprache, meldet ein Schild. Wir rufen die angegebene Nummer an und kurz darauf kommen gleich drei Mann vorbei, um unsere Leinen anzunehmen und uns willkommen zu heißen. Es wird ein bezaubernder, ausgelassener Abend mit Elin, Øyvind und Ilse, die hier geboren sind, dem rumänischen Zahnarzt (und derzeit hier handwerkenden) Stephan und Jo Martin aus Tromsø. Letzterer hat vor ein paar Jahren das Häuserensemble rund um den Anleger gekauft, um es zu schützen und zu erhalten. „Make Finnkroken great again“ lautet seither das Motto der insgesamt 14 Dorfbewohner – ungeachtet dessen Aneignung durch einen orangefarbenen Amerikaner. Wir bekommen Funde aus der Wikingerzeit gezeigt, ein über 200 Jahre altes ehemaliges Wohnhaus, das samt Interieur erhalten ist, das Museum in der alten Schule nebst Ölgemälden des hier geborenen Künstlers Einar Berger (1890-1961). All das soll in den nächsten Jahren modernisiert und ein neuer – dann schwimmender – Steg gebaut werden (das Erklettern der LKW-Reifen-Fender bei über 2 Metern Tidenhub ist je nach Gezeit nicht ohne). Wir fanden Finnkroken schon jetzt great, das mag zu einem guten Teil an den lustigen Gesprächen und dem privaten kleinen Orgelkonzert gelegen haben.

Unser Stop in Tromsø fällt diesmal kurz aus, allzu seltsam ist die Stimmung nun, da kein Aufbruch mehr in der Luft liegt und im Hafen wenig los ist. So zieht es uns schnell weiter zur Insel Senja. Schon im Juni, auf deren Ostseite unterwegs, hatten wir gehofft, auf dem Rückweg außen entlang segeln zu können, nun bewundern wir die dem Meer zugewandte Seite wenigstens bei Flaute unter Motor. Gebirgig und zerklüftet ist sie mit tief einschneidenden Fjorden, die Kaps oft von Nebel umspielt. Als erstes steuern wir Husøy an. Der Fischerort wurde in den 1950er Jahren auf einer Schäre gebaut und mit der Hauptinsel durch einen Straßendamm verbunden, in dessen Schutz Flying Fish zwischen Fischerbooten liegt. Ein südlich gelegener kleiner Berg bietet einen super Überblick über Ort und Fjord, die perfekte Wanderung am Morgen, bevor es ein Stück weiter geht zu unserer Verabredung in den Bergsfjord.

„Last departure from Spitsbergen“ heißt unsere Signal-Gruppe mit Deborah und Matthijs von der SY Sarabande. Gleichzeitig mit den beiden Niederländern und mutmaßlich als Letzte unserer Art in diesem Jahr haben wir dort die Anker gelichtet und – mit unterschiedlichen Zielorten – die Überfahrt in Angriff genommen. Nun das Wiedersehen im Westen von Senja, wo wir über das Wochenende ein hübsches blau-gelbes Ankerpäckchen bilden, geschützt zwischen den kleinen Inseln schwojend. Es sind zwei perfekte norwegische Sommertage, die wir dort verbringen: Wir paddeln mit den Kajaks in kristallklarem Wasser, fläzen uns an den weißen Stränden, werfen zusammen, was die Kombüsen zu bieten haben, schwelgen in Erinnerungen an Svalbard und Plänen für die seglerische Zukunft. Und wir sehen – nach einem schönen Sonnenuntergang – in der Nacht die ersten schwachen Nordlichter!

SY Fat Mermaid
September 1st, 2023 at 12:57 pm

Da habt ihr die doch noch bekommen, die Nordlichter!!!

Heike
September 4th, 2023 at 8:34 pm

Ja, ganz zart waren sie und großartig anzuschauen!

Heidi Wulf
August 31st, 2023 at 9:53 pm

Die kleinen Inseln an der Aussenkante von Senja, schöner kann man sie nicht treffen. Vor Andenes lohnt sich die Fotojagd auf Wale. Weiter so tolle Erlebnisse. Lbgr hup

Heike
September 4th, 2023 at 8:32 pm

Dankeschön hup! Und zum Thema Wale kommen wir noch…

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