Landpartie

Zum ersten Mal in diesem Jahr sind wir tatsächlich für längere Zeit eingeweht: Ganze neun Tage an ein und demselben Steg, das gab es noch nie! Davon, dass draußen das riesige Tief die Küste entlang tobt, haben wir hier in Stamsund kaum etwas gemerkt, so gut geschützt ist Flying Fish festgemacht. Und auch sonst war der Ort eine prima Wahl: lofotenuntypisch günstige Liegegebühr, zwei Supermärkte und, das war uns wichtig, eine Autovermietung. Denn die beiden wettermäßig verträglichsten Tage haben wir uns ausgeguckt, um die Gegend auf vier Rädern zu erkunden. Eine erste Runde führte uns hier auf Vestvågøya zu kleinen Orten wie Eggum, Unstad und Ballstad, zu Stränden, Galerien, Kunstwerken, Kirchen (oben die von Buksnes) und sonstigen Sehenswürdigkeiten. Unmöglich, von jedem einzelnen Stop und Abstecher zu berichten. Dank der norwegischen Lust am Brücken- und Tunnelbau sind selbst hinterste Lofoten-Ecken erstaunlich schnell und leicht zu erreichen und wir haben es genossen, ausnahmsweise von Land aus aufs Meer zu schauen statt umgekehrt – und jederzeit anhalten, verweilen, fotografieren zu können.

Am zweiten Auto-Tag dann waren die sich westwärts anschließenden Inseln Flakstadøya und Moskenesøya dran. Auf letzterer, im sparsam benamten Örtchen Å, endet die Lofotenhauptstraße E10, die die Inseln miteinander verbindet, in einer der landschaftlich spektakulärsten Gegenden. Drei Milliarden Jahre alte Felsriesen erheben sich hier fast senkrecht und bis zu 730 Meter hoch. Zu ihren Füßen reihen sich kleine Fischerorte aneinander, einer malerischer als der andere mit ihren typischen Trockengestellen für den Fang und auf Stelzen gebauten historischen Rorbu-Häusern. Ein optisches Highlight unter ihnen ist Reine, der angeblich meistfotografierte Ort des Archipels. Der Aufstieg auf den Berg mit der besten View, den Reinebringen, machte wetterbedingt keinen Sinn, dafür haben wir uns kurzweilige Galerie- und Kultursenter-Besuche gegönnt.

Und eine Wanderung gab es zum Abschluss dann doch noch! Mit lieben Freunden gucken wir in Köln seit Jahren leidenschaftlich die Kurzfilme der European Outdoor Film Tour. In einem davon, „Nord for Sola“ oder „North of the Sun“ (gibt es auf Netflix), ging es mal um zwei norwegische Jungs, die einen ganzen dunklen, eisigen Winter in einer abgelegenen Bucht verbringen, die von Bergen umgeben und nur zu Fuß erreichbar ist. Sie bauen sich aus Treibgut eine Hütte, gehen surfen, wenn die Wellen gut sind, und sammeln über die Zeit drei Tonnen Müll ein, die später, im Frühling, per Hubschrauber abtransportiert werden. Dorthin, in die Kvalvika mit ihrem feinen Sandstrand, sind wir gelaufen. Die Hütte gibt es noch (denn Vandalismus gibt es zum Glück nicht), wir haben eine Weile darin gesessen und uns vorzustellen versucht, wie sich dieses Leben wohl angefühlt hat – und ausgiebig das Geschick und Improvisationstalent der beiden Surfer bewundert. Was man mit einfachsten Mitteln und Entschlossenheit doch alles hinkriegen kann! Für die Nacht hat es uns dann allerdings zurück auf unser kuscheliges Schiff gezogen.

Heidi Wulf
September 12th, 2023 at 6:51 pm

Die Kvalvika haben wir mit der „Hitzewelle auf den Lofoten“ genossen, ausser Treibgut lagen dort auch Walknochen. Die Hütte gab es noch nicht, einmalige Aktion. Freuen uns auf weitere Erlebnisse von euch. Lbgr hup

Heiko
September 13th, 2023 at 11:07 am

Langsam kommen wir aus dem Abenteuer in den Rückreisemodus – mal schauen, was da nochauf dem Weg liegt…

Tiefers
September 12th, 2023 at 5:56 pm

Die erste kleine Annäherung an das Leben auf festem Grund bzw das Fortbewegen mittels Rädern…..

Heiko
September 13th, 2023 at 11:04 am

Das hat gut geklappt, aber mir hat der Autopilot etwas gefehlt…

SY Gretchen Due
September 12th, 2023 at 12:05 am

So schön, was ihr alles erlebt!! Und Danke, dass wir dabei sein dürfen…😘 Wir sehen und in Kappeln zum Grillen 😅

Heiko
September 13th, 2023 at 11:03 am

Dieses Jahr wird Kappeln eher nichts- wir lassen den Fish noch ein Jahr in Nesna.

Tina
September 11th, 2023 at 10:48 pm

Ich liebe das Kuschel-Foto von Heiko und dem Auto 😅 – und Heike, der rote Norwegerpulli steht dir zauberhaft gut! 😘

Heike
September 13th, 2023 at 11:09 am

Dankeschön! Ist ein Souvenir aus Svalbard (der Pulli, nicht das Auto).

Ludger
September 11th, 2023 at 6:55 pm

Hakuna matata oder die Kunst, dem Leben einen unverbesserlichen Optimismus entgegen zu setzen. Und das am anderen, kalten Ende der Welt. Sehr beeindruckend, Film unbedingt ich muss sehen!
Aber mit euren Bildern stimmt was nicht: Offensichtlich ist zu viel Licht an der oberen Kante der digitalen Entwicklerbox gelangt. Da ist ja immer alles ganz grau und weis…Bei den analogen Filmen wurde immer alles schwarz. So ist das mit der Digitalisierung – alles anders.
Kommt heil aus dem Sturmtief raus und bald zurück nach Kölle – vielleicht ist die Gartensaison dann ja noch nicht so ganz vorbei und wir können (an Kälte seid ihr ja gewöhnt) ein gemeinsames Outdoor – Getränk bei uns im Garten genießen – wir freuen uns!
Bis dahin, Grüße vom Schreibtisch (fühlt sich gerade wie Sauna an), Ludger

Heiko
September 13th, 2023 at 11:05 am

Wir bringen gern unsere Arktisausrüstung mit – dann klappt das mit dem Getränk auf jeden Fall!

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