Als een vis op het droge!

Vom verzweifelten Versuch, ins Ausland zu segeln (Juni/Juli 2013)


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Der Flying Fish-Motor röhrt auf, er röhrt und heult erbärmlich. Es klingt schlimmer als eine Gruppe Führerscheinneulinge beim Anfahren am Berg, dabei rühren wir den Gashebel nicht an. Immer wieder schnellt die Drehzahl von selbst rauf bis über 3.000 Umdrehungen. Längst haben wir den Kurs geändert, fahren nicht mehr nach Westen, Richtung England, sondern zurück gen Niederländische Küste. Wäre schön, es bis Ijmuiden zu schaffen. Zum x-ten Mal der Blick in den Motorraum: keine für uns erkennbaren Anomalien und vor allem kein großer Kippschalter „Störgeräusche on/off“. Auch die Bordbibliothek gibt nichts her zu dem Symptom. Zu Motorproblem und Flaute quält uns noch eine penetrante seitliche Welle, die das Schiff und uns hin und her wirft und schlicht nervt. Kurz: wir sind in dieser Nacht absolut nicht zufrieden mit der Gesamtsituation.

 


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Dabei fing es so gut an mit einem traumhaften ersten Segeltag von Warns nach Den Helder: Sonne, ordentlich Wind, Rauschefahrt im Texelstrom, perfekt! Dann am nächsten Mittag bestens gelaunt der Aufbruch unter Segeln, Kurs auf Lowestoft an der britischen Ostküste. Abends schlief zwar der Wind ein, doch auch unter Motor fanden wir es toll zum ersten Mal alleine so weit draußen, haben feierlich „Kein Land mehr in Sicht“ ins Logbuch eingetragen und damit begonnen, den Proviant niederzumachen. Da fingen die Probleme mit der Drehzahl an… Und jetzt, um ein Uhr morgens: plötzlich Stille. Unser alter Perkins verabschiedet sich final und mag auch nicht noch mal angehen. In wenigen Minuten sind alle Segel oben, aber der aktuelle Krümel Wind reicht nicht, wir werden einfach von der Strömung vertrieben. Was sind die Optionen? Driftend auf Wind warten geht nicht, dafür sind wir zu nah an einem Windpark und die neueste Wettervorhersage macht eh keine Hoffnung. Wir könnten versuchen zu ankern, die Nordsee ist hier nur 28 Meter tief. Aber für wie lange, wenn kein Wind in Sicht ist? Und würden wir überhaupt ohne Motorhilfe den Anker samt 65 Metern Kette wieder an Bord kriegen? Kein verlockendes Experiment. Also fassen wir uns ein Herz, rufen auf Kanal 16 die Coastguard und bitten ganz bescheiden per Routine Call um „advice“. Sehr stille 60 Sekunden vergehen ohne Reaktion, wir schauen uns mit großen Augen an und jeder resümiert still sein Wissen über die Geheimnisse des Seefunks.

 


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Dann endlich meldet sich eine freundliche Bezugsperson und fordert uns nach der Abfrage aller Daten und Details auf, auf Empfang zu bleiben. Wenige Minuten später erreicht uns ein Funkspruch, dass Schlepphilfe aus Egmond unterwegs sei. Gegen zwei Uhr erblicken wir am Horizont das angekündigte Schnellboot der KNRM und sind beeindruckt: viel Geräusch, taghelles Flutlicht und stolze sechs Mann Besatzung kommen auf uns zu gebrettert. Wir sind froh, dass wir die Helfer selbst bestellt haben und davon ausgehen können, dass sie nach uns Ausschau halten und irgendwann rechtzeitig stoppen. Tun sie! Zwei von den KNRM-Jungs, Rith und Alex, kommen als „opstapper“ mit einem Haufen Equipment zu uns an Bord. Sie tragen Überlebensanzüge und sind so professionell und routiniert, dass wir einfach nur beeindruckt zusehen können, wie sie die Leinenverbindung zwischen unserem und ihrem Schiff herstellen. Und dann gibt es erst mal ein Lob für unsere alte, manövrierunfähige Flying Fish: sie seien froh, mal ein anständiges Schiff schleppen zu dürfen, bei den üblichen Kunststoffyachten flögen immer die Klampen aus dem Deck und die würden sie deshalb nur Tupperware-Boats nennen. Vielen Dank für die Blumen! Mit sieben Knoten werden wir schließlich nach Ijmuiden geschleppt und haben eigentlich, bis auf die Sorge um die anstehende Reparatur, eine ziemlich gute Zeit mit Rith und Alex. Die beiden sind bestens gelaunt, denn Einsätze ohne Blutbad und/oder Höllenwetter sind wohl relativ selten. So erzählen sie uns bei einem Tässchen Kaffee all ihre Abenteuer auf See, meistens durch Handy-Fotos illustriert. Um fünf Uhr früh machen wir in der Seaport Marina Ijmuiden fest, wo wir unter den Augen zweier Zöllner schnell noch drei Flaschen Sekt als erstes Dankeschön zu unseren Rettern rüber reichen. Darüber wollen die sich kringelig lachen, nehmen aber dankend an, bevor sie zurück nach Egmond rauschen. „Als een vis op het droge!“ betiteln sie später ihren Rettungsbericht im Internet, „Wie ein Fisch auf dem Trockenen!“ .

 


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Nach ein wenig Schlaf finden wir am nächsten Morgen in der Marina einen recht selbstbewussten Mechaniker („you are lucky, ich bin der Beste!“) und schleppen ihn zum Fish-Motor. Schnell findet er einen Haarriss in einem Dieselschlauch, tauscht das entsprechende Stück aus, entlüftet den Motor und nach einer Stunde läuft er wieder! Die Erleichterung ist riesengroß und relativ gut gelaunt beschließen wir Plan B: die Küste entlang nach Süden bis Belgien soll der Törn nun gehen, irgendeine Landesgrenze möchten wir schließlich schon noch knacken. Und England macht aufgrund der bevorstehenden Wetterlage nun keinen Sinn mehr. Wir brechen direkt früh am nächsten Morgen auf nach Scheveningen, um dort drei wirklich eklige Tage mit sieben bis acht Beaufort aus Süd auszusitzen. Dank der praktischen Tramverbindung nach Den Haag verwöhnen wir uns ausgiebig mit Kunst und Kultur (sehr empfehlenswert: das Escher-Museum) und machen es uns ansonsten an Bord gemütlich. Uns tun die holländischen Segler leid, sie müssen all ihre Längste-Nacht-des-Jahres-Regatten an dem Wochenende absagen.

 

Von Scheveningen geht es unter Segeln nach Stellendam. Wir passieren Hoek von Holland und somit die reichlich frequentierte Einfahrt nach Rotterdam, so nahe waren wir den großen Frachtern und Tankern noch nie. Stellendam ist nett und friedlich mit Gratis-Fahrradverleih im Hafen und ganz viel einsamem Strand, entsprechend entspannt brechen wir nach zwei Tagen von dort wieder auf, um unsere Reise gen Süden fortzusetzen. Und gleich auf dem Weg durch das Seegatt zurück auf die Nordsee erwischt es uns beim fünften oder sechsten Tonnenpaar erneut: das bekannte Motorphänomen mit der hochschnellenden Drehzahl. Wir wenden sofort und sind überzeugt davon, dass wir im Hafen nur kurz den nächsten Riss im Dieselschlauch suchen und finden, das Stück austauschen (wir Füchse hatten extra noch Ersatz-Schlauch gekauft) und es dann vielleicht mit derselben Gezeit doch noch raus schaffen würden. Aber nix da: erst mal geht der Fish-Motor dieses Mal vor der Schleuse aus, so dass wir mit Hilfe der Restfahrt und per Aufschießer anlegen müssen wie früher auf der Jolle. Selten war die Freude über einen gefangenen Poller so groß! Nachdem der Puls sich etwas beruhigt hat, kriechen wir konzentriert und systematisch durch den Motor, finden aber weder Riss, noch Loch, noch lose Schlauchschelle. Die Stimmung sinkt dramatisch, es muss wieder ein Fachmann her.

 


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Das einzige verfügbare Exemplar im Ort, der Peter, erscheint uns erst mal nicht sehr vertrauenswürdig, wirkt er doch eher wie ein etwas schluffer Schreibtischtäter. Irgendwann zieht er murmelnd mit unserem Motorhandbuch von dannen und erzählt uns eine Stunde später bei seiner Rückkehr etwas von „Rücksprache gehalten“ und „Bakterien im Tank“. Wollen wir zunächst nicht glauben, aber während wir mal wieder auf Schlepphilfe warten, recherchieren wir in unseren Fachbüchern und im Internet und telefonieren mit Menschen, die sich besser auskennen. Die Bakterien-Idee rückt immer mehr in den Bereich des Möglichen und der Ausbau des Dieselfilters bestätigt leider letztlich den Verdacht. Zurück im Hafen von Stellendam wird es schmutzig: auf die Entsorgung von 200 Litern Diesel und drei Tage Tankreinigung folgt eine saftige Rechnung über fast 1.400 Euro, bei deren Anblick wir beinahe hintenüber fallen. Besonders frustrierend: der nette Peter hatte uns u. a. berechnet, dass er sich während des Wartens auf die Schleusenöffnung und Abschleppens in den Hafen für zwei Stunden ungefragt auf unser Schiff in die Sonne gehockt hat. Und zwar ohne irgendeinen Handschlag zu tun (was ja auch nicht nötig ist, wenn zwei Eigner an Bord sind, die das Schiff üblicherweise alleine im Griff haben). Davon abgesehen muss man ihm aber zugutehalten, dass er recht gründlich und gewissenhaft war. Und jedenfalls wäre die Sache noch kostspieliger geworden, wenn wir nicht hätten mitarbeiten und sogar die Werkstatt seines Arbeitgebers benutzen dürfen.

 

Auf Unglück folgt Pech: der Motor klingt jetzt zwar wie neu, aber es stehen ein paar Flautentage an und somit stirbt auch unser Belgien-Plan. Langsam gewinnen wir den Eindruck, dass dieser Sommertörn es nicht unter die Top Ten unserer Reisen schaffen wird. Es geht also zurück gen Norden mit Stopps in Ijmuiden, Amsterdam, Monnickendam und Enkhuizen. Mitten auf dem Ijsselmeer nehmen uns unsere Stegnachbarn Tobias, Barbara und Carsten in Empfang, die auf der  „Atlanta“ unterwegs sind. Abends in Warns werden wir wunderbar an Bord der „Sol y Son“ begrillt und verwöhnt, während wir all unsere Abenteuer ausspeichern. Ein versöhnliches Ende, aber richtig gut drauf sind wir nicht nach dem Törn und erholt schon gar nicht. Jetzt ein wenig Urlaub wäre toll! Wir versuchen es mit positivem Denken, wenigstens haben wir etwas mehr Einblick in die sensible Seele unseres Perkins gewonnen.

 


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Was passiert war: durch die anfängliche starke seitliche Welle wurde unsere wohl schon sehr alte Bakterienzucht vom Boden des Tanks gelöst und konnte in die Dieselleitung und das Motorsystem gelangen. Wir hätten nie mit dem Problem gerechnet, da wir immer gewissenhaft Additiv in den Tank gegeben haben, genau wie der Vorbesitzer. Und nur der Vollständigkeit halber: nachdem wir uns schon im Vorfeld mit dem undichten Trinkwassertank arrangiert hatten, ist während der drei Wochen auch noch laufend der nagelneue Tiefenmesser ausgefallen, vorzugsweise dann, wenn wir ihn dringend brauchten. Und in den Häfen wurden wir gelegentlich gefragt, ob wir zur Sicherheit in unseren Schwimmwesten schlafen, denn am Rumpf hatte sich ein großes Stück einer alten Spachtelschicht abgelöst und alle drei Farbsysteme beschädigt, den blauen Rumpfanstrich, den Wasserpass und das Antifouling. Somit war ein großer Teil unserer anstrengenden Winterlager-Tätigkeiten ziemlich entwertet, von dem hässlichen Anblick mal ganz abgesehen. Dass wir während der Nordsee-Segelei im achterlichen Bereich des Schiffs hier und da ein paar kleinere Wasseransammlungen festgestellt haben, die auf dem Ijsselmeer bisher nicht vorkamen, scheint da schon kaum noch extra erwähnenswert…

 

Featured Work:
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  • Refit
  • Törn
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Cees Kiene
Mai 7th, 2017 at 9:45 am

Jullie hebben geen geluk gehad. Is de motor ( Perkins) weer oké? De rekening van €1400 lijkt me aan de hoge kant!
Grüsse Cees & Winnie van de Zwarte Beer

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SY Flying Fish by Heiks