Polartag

Zwölf gemeinsame Tage sind nur so verflogen: Silke und Christian reisen gerade zurück nach Köln und wir hoffen, dass die beiden sich noch zurechtfinden in einer Welt ohne Kälte, Starkwind, Regen- und Schneeschauer. Obwohl das Wetter so eine Unverschämtheit war (und ist), hatten wir eine gute Zeit, die permanente Anpassung der Pläne an die Bedingungen macht’s möglich. So haben wir recht spontan die Überfahrt zu den Lofoten in Angriff genommen, sind tagsüber bei Flaute eine erste Etappe entlang der Festlandküste von Kjerringøy nach Nordskot motort, um dort auf die angekündigten paar Stunden Westwind zu lauern und nach dem Abendessen direkt wieder abzulegen. Der Plan ging auf und die 25 Seemeilen zum Lofotenort Henningsvær waren pures Segelglück: Amwindkurs bei drei bis vier Beaufort, glattes Wasser, volle Segel, frohe Gesichter. Achteraus die kleiner werdenden Felsen von Nordskot, vor uns die imposante, zackig-steile Lofotenwand, hinter der ganz langsam die Sonne verschwindet. Aber nicht untergeht! Denn seit letzter Woche ist für uns Polartag!! „Midnight sun, the sun doesn’t set“, vermeldet uns der Wetterdienst Yr nun statt der Sonnenauf- und untergangszeiten. Es bleibt also immer hell, Heiko trägt Schlafbrille und abends ist es schwer, ein Ende zu finden.

So auch nach der mitternächtlichen Ankunft in Henningsvær: Die Einfahrt durch den Bilderbuchort ist traumhaft schön und als wir uns dem Steg nähern, winken uns von links oben ein paar Leute zu, die auf der Pier gemütlich in einem Hot Tub hocken. Einer beschließt, unsere Leine anzunehmen, springt kurzerhand aus ein paar Metern Höhe ins 6 Grad kalte Wasser und krault los. Für die Leine kommt er zu spät, aber wir freuen uns riesig über die Stimmung und den netten Empfang, sitzen noch lange draußen und zelebrieren unseren Anleger – wissend auch, dass die nächsten zwei Tage hart werden. Und tatsächlich findet die Stadterkundung bei Regen und Schnee statt. Eine vielversprechende Wanderung müssen wir abbrechen, weil sie bei der Nässe zu gefährlich ist. Für Fotografie und Drohnenflüge nutzen wir winzige Wetterfenster und Christian und Heiko gelingen tatsächlich großartige Luftaufnahmen des Ortes mit dem spektakulär gelegenen Fußballplatz (s. Blogbild). Und auch die hier typischen Trockengestelle voller Dorsch geben ein gutes Motiv ab. Versöhnlich außerdem: die fantastische Kunstausstellung in der ehemaligen Kaviar Factory samt interessanter Unterhaltung mit Museumsgründerin und Kuratorin Venke Hoff, aus deren umfangreicher Sammlung die Werke hier stammen.

Als nächstes Ziel suchen wir uns ein weiteres Lofoten-Highlight aus: Das 25 Seemeilen südwestlich gelegene Dorf Nusfjord. Es gilt als einer der am besten erhaltenen Fischerorte Nordnorwegens, da sollte auch für uns ein Angelerfolg drin sein und siehe da: Auf Drift vor der Einfahrt fängt erst Heiko einen kleinen und kurz darauf Silke einen wahrhaft monströsen Dorsch. Entsprechend gut gelaunt legen wir an, quetschen uns an das Stück Steg hinter einer schwimmenden Arbeitsplattform und erfahren, dass wir die erste Segelyacht der Saison sind. Wenig später legt direkt die zweite an, die französische SY Northabout, genau wie wir mit Ziel Svalbard. Eine sehr nette Männercrew, auch wenn sie zunächst versucht haben, unser Heck abzufahren. À bientôt! Einige Landtouristen gibt es ebenfalls schon, die wie wir an den hübschen Stelzenhäusern entlang schlendern, das kleine Museum in der alten Trankocherei, den Landhandel und die Umgebung erkunden. Schön!

Am Samstag sind wir zurück gen Nordost gesegelt und liegen nun mitten in Svolvær, dem Hauptort der Lofoten mit rund 4.700 Einwohnern und guter Infrastruktur. Hier haben wir heute früh unsere Gäste verabschiedet, verproviantieren uns neu und überlegen, wie es weitergeht. Natürlich wird weiterhin kein Plan in Stein gemeißelt. Heute um 22 Uhr zum Beispiel kann es sein, dass wir einen Film schauen. Oder aber der Regen verzieht sich vorhersagegemäß, dann starten wir um die Zeit eher eine Tour auf den Gipfel des Fløya, der östlich von uns mal mehr, mal weniger aus dem Nebel ragt. Warum sich festlegen, wenn Polartag ist und das Wetter sich auch nicht festlegt?!

Sven
Juni 8th, 2023 at 9:57 am

Das Foto vom Fussballfeld ist echt einen National-Geographic-Preis wert, herrlich! Und auch die anderen Bilder verdrängen ganz schnell die hier schon gefühlten 25 Grad. Die 15-Minuten-Auszeit mit euch hat wieder gut getan. Dann werde ich jetzt mal im Flow bleiben und die Arbeit ebenso genießen …

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:25 pm

Dann hoffen wir, dass dein Flow bis ins verlängerte Wochenende gereicht hat!

Ruby Tuesday
Juni 8th, 2023 at 7:40 am

Hi Heiks, finally managed to catch up on reading your blog – wonderful pictures and great descriptions. It’s an amazing part of the world. Very envious of the cod you caught – we have been catching herrings here in the Aland Islands – probably about two magnitudes smaller!

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:24 pm

I think that there are not many better places for fishing than here. But we found lots of smokehouses that sell delicious fish in the Ålands 🙂

Ludger
Juni 7th, 2023 at 4:03 pm

Liebe Heiks,
Im ersten Corona Jahr 2020 wollten wir die Lofoten Ende Juni mit dem Rad bereisen. Wir haben das Wetter seinerzeit im Wetterbericht verfolgt und es stellte sich 1:1 wie bei euch dar – eine so richtig gute Idee scheint das also nicht zu sein. Eure Bilder sind Schau(d)erhaft schön – da bin ich doch ganz froh, dass ich sie am warmen trockenen Schreibtisch betrachten kann… (innerlich nicht ganz überzeugt aber ein bisschen schon).
Heikos Grinsen auf dem Bild mit angeblicher Schlafbrille hat meine besondere Aufmerksamkeit geweckt. Nach genauerer Betrachtung bin ich sicher: Gebt es zu! Es ist eine Virtual Reality Brille-den Typ konnte ich im Netz finden! Und Heiko schaut gerade Biene Maja oder so! Herzliche Grüße vom Schreibtisch und bleibt vorsichtig! Ludger

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:18 pm

Ludger, da wollte ich gerade Deiner investigativen Seele Futter geben und zack waren wir im Funkloch Trollfjord. Jetzt scheint die Sonne und ich weiss leider nicht mehr, was ich geschaut habe – es kommen aber sicher wieder regnerische Tage und dann lasse ich Dich teilhaben…

Kerstin
Juni 7th, 2023 at 10:33 am

Ein dickes Dankeschön auch von mir für die eindrucksvollen Bilder und den tollen Bericht über eine Welt, die ich wahrscheinlich nicht selbst besuchen kann! Jepp, habe auch den Fußballplatz bestaunt! Was für ein Akt dort einen zu „bauen“!

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:14 pm

Sehr gern nehmen wir dich mit und danken für die Blumen:)

Heidi wulf
Juni 6th, 2023 at 9:09 am

Fuer diese highlights der Lofoten haetten wir euch die Hitzewelle gewuenscht.
Mitternachtssonne: Essen, wenn man Hunger hat, schlafen, wenn man muede ist.
Lbgr hup

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:12 pm

Essen kann ich glücklicher Weise auch ohne Hunger 😉 und schöneres Wetter ist schon da…

Silke
Juni 5th, 2023 at 11:39 pm

So schön, wieder von euch zu lesen… Am beeindruckendsten diesmal für mich tatsächlich das erste Bild…. hab erstmal ungläubig rangezoomt, ob das tatsächlich ein Fußballplatz sein kann… auf bald…

Heiko
Juni 10th, 2023 at 3:10 pm

Es ist tatsächlich ein Fussballplatz – wir mussten uns den armen Tropf vorstellen, der ins Aus gekickt hat und den Ball holen muss…

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