Træna

Eine Inselgemeinde weit draußen, 33 Seemeilen vom Festland entfernt, bekannt für ihre große Seeadler-Population und als Norwegens ältestes Fischerdorf – wir assoziieren Natur, Tradition, gemütliche Verschlafenheit. Doch Træna überrascht uns mit weiteren Facetten, ist vielseitig, lebendig und voller Kultur. Das Trænafestivalen im Juli und die Party „Take Træna by Storm“ im Winter locken Tausende auf die Inseln. Kreative sind willkommen und eingeladen, eine Weile hier zu leben und Projekte zu verwirklichen. Es gibt alte Rorbuen (Fischerhütten auf Stelzen) ebenso wie modernste Tiny Houses. Und gleich beim ersten Rundgang über die Hauptinsel Husøya finden wir einen Lieblingsort, an den wir noch öfter zurückkehren: die Kulturlandskap Nordland. Über einen schmalen Pfad gelangt man zu dem weithin sichtbaren Kunstwerk „A prose, a song, a poem look yonder“ der norwegisch-sambischen Künstlerin Anawana Haloba. Die Skulptur selbst, gefertigt aus Stein und Glas, gefällt uns gar nicht sooo gut. Doch die Musik, die sie von Zeit zu Zeit erklingen lässt, ist um so bezaubernder, vor allem in Kombination mit wärmender Sonne, leichtem Wind und fernem Möwengeschrei (und wochentags den Arbeitsgeräuschen einer nahen Baustelle).

A prose, a song, a poem look yonder

Husøya ist relativ flach. Trænas Wahrzeichen, die zackige, steile Bergformation, befindet sich auf der Nachbarinsel Sanna. Da deren Hafen für Flying Fish zu seicht ist, fahren wir mit dem Dinghi rüber. Trænstaven, der höchste Punkt, ist nur bergsteigend zu erreichen, so dass wir ersatzweise den 243 Meter hohen Gompen erwandern. Eine leichte Tour, aber mit Besonderheit: Auf der Westseite der Insel verschwindet das kleine Strässchen, dem wir folgen, in einem Loch im Berg. 900 stockfinstere, steil ansteigende Meter Tunnel wurden hier bis zur anderen Seite gegraben, um die Radarstation der NATO auf dem Gipfel bequemer erreichbar zu machen. Ein leicht beklemmendes Gefühl, zu zweit allein hindurchzulaufen. Doch etwa nach der Hälfte der Strecke müssen wir laut lachen, als im Schein der Taschenlampe eine Haltebucht auftaucht mit Tisch und Bänken, wie sie sonst an den Orten mit der schönsten View aufgestellt werden. Das ist wohl Norwegerhumor. Für den Rückweg nehmen wir den Trampelpfad außen den Berg hinunter, ein Abstecher führt uns zur Höhle Kirkhellaren, bekannt als Veranstaltungsort und wichtige archäologische Stätte. Hier wurden unter anderem die während der Steinzeit aus Knochen geschnitzten Angelhaken gefunden, deren Form heute das Wappen von Træna ziert – und auch das oben erwähnte Klangkunstwerk.

Wir besuchen noch eine weitere Nachbarinsel, und zwar in sehr netter Gesellschaft. Schon seit ein paar Wochen treffen wir immer mal wieder das norwegische Paar Grete und Ragnar mit ihrem Motorsegler Ariana, auch jetzt, auf Husøya, liegen sie mit uns am Gästesteg. Und durch die beiden lernen wir nun Helge kennen, der auf Træna geboren und aufgewachsen ist und über das Wochenende Freunden seine Heimat zeigt. Von dieser Gruppe werden wir superherzlich aufgenommen und eingeladen, sie zu begleiten. Als kleine Flottille aus einem Motorboot und zwei Dinghis fahren wir rüber nach Sandøy, erkunden die Insel samt Traumstrand und werden in ein kleines privates Museum eingelassen, dessen Besitzer Dinge aus Trænas Vergangenheit gesammelt und liebevoll arrangiert hat. Bevor es zurück auf die Hauptinsel geht, sind wir noch zum gemeinsamen Grillen eingeladen und auch der Besichtigung von Kirche, Stadthaus und Petter-Dass-Kapelle am nächsten Tag auf Husøya dürfen wir uns anschließen. Danke Helge, Eivin, Bjørn, Trygve und Gunnar für die Gastfreundschaft und all die netten Gespräche.

Auf Træna überkommt uns dieses wohlige, dankbare Alles-ist-perfekt-und-schöner-als-jetzt-kann-es-eigentlich-nicht-mehr-werden-Gefühl mit Wucht. Da setzt dieses Land voller Wunder noch einen drauf: Wir sitzen am Abend an Bord im geschützten Doghouse und zelebrieren unser Dasein am Polarkreis mit einer passenden Terra X-Doku. Gerade geht es darin um das Phänomen der Aurora Borealis, um Stickstoff- und Sauerstoffatome der Hochatmosphäre, um energiereiche geladene Teilchen und das Erdmagnetfeld, da klopft Grete ans Schiff und meint, wir sollten mal rausgucken. Da tanzen sie tatsächlich „in echt“ über den Nachthimmel, die Polarlichter: Grüne Geister, Flammen und Vorhänge, die sich erstaunlich schnell immer wieder neuformieren, mal fast verschwunden sind und dann doch wieder aufleuchten. Wir machen vermutlich einen halbwegs seltsamen Eindruck, wie wir uns da im Dunkel auf dem Hügel umeinanderdrehen, immer wieder nach oben deuten und aufgeregt „guck da!“ rufen. Alles ist perfekt und schöner kann es nun wirklich nicht mehr werden.

Elisa
September 13th, 2022 at 3:36 pm

Unglaublich 😍

Ludger
September 10th, 2022 at 7:46 am

Liebe Heiks, schon drei mal hab ich mir diese verzaubernden Klänge angehört. Musik transportiert die Atmosphäre soo gut. LG aus den Dolomiten

Heike
September 10th, 2022 at 5:52 pm

Du ahnst nicht, wie oft wir es gehört haben. Wie schön, dass es dir auch gefällt. Liebe Grüße in die Dolomiten!

Carsten
September 10th, 2022 at 7:39 am

Bähm
🥲

Heiko
September 10th, 2022 at 5:43 pm

sic!

Jenny & Simon
September 9th, 2022 at 11:29 pm

What fabulous experiences you have had! We have enjoyed your adventures 😄

Heiko
September 10th, 2022 at 5:47 pm

Feels good to hear that you enjoyed it.

Hup
September 9th, 2022 at 9:26 pm

Traena mussten wir wegen Schlechtwetter auslassen, um so schöner, es jetzt mit euch so ausführlich zu erleben. Danke 🥰

Heike
September 10th, 2022 at 5:42 pm

Wir danken euch dafür, dass ihr mitreist!!!

Silke
September 9th, 2022 at 8:05 pm

Ich liebe ja eure Blogs- alle, aber der hier ist mein absoluter Favorit!!!!!

Heiko
September 10th, 2022 at 5:40 pm

Wie schön- dann sollten wir hier im nächsten Jahr für dich anknüpfen…

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