Schwarzes Eis und roter Löwe

Wer Polarkreis sagt, muss auch Svartisen sagen. Denn der mit 370 km² zweitgrößte Gletscher Norwegens liegt jetzt nur noch einen Hauch weiter nördlich und außerdem ist einer seiner 60 Seitenarme, der Engabreen, superleicht per Boot zu erreichen. So legen wir voller Vorfreude in Halsa ab und motoren durch die friedliche Landschaft des Holandsfjords. Über uns kreisen Seeadler, während wir der allerletzten Kurve entgegenfiebern. Und dann – tadaa – ist endlich die Gletscherzunge zu sehen! Die Übersetzung von Svartisen ist „schwarzes Eis“, doch was da vor uns liegt, schimmert trotz Bewölkung in hellem türkisblau. Nichts wie hin! Da im Törnguide steht, dass die Eiskante deutlich weiter entfernt ist als es scheint, halten wir uns ran, legen das erste Stück des Wegs am grünen Wasser des Gletschersees Svartisvatnet entlang mit dem Fahrrad zurück. Dann folgen wir den Wegmarkierungen über Steine und Felsen bergan.

Nach insgesamt knapp sechs Kilometern sind wir am Engabreen, bestaunen das zerklüftete Eis, das aus der Ferne so kompakt wirkt, spähen in Spalten, sehen es tauen und tropfen. Im Hinterkopf immer die Internet-Fotos, die zeigen, wie weit die Gletscherzunge noch vor ein paar Jahren an den Fjord heran reichte, und die Bilder von der Marmolata aus diesem Sommer. Klar, auch der Svartisen weicht wegen des Klimawandels unwiederbringlich und viel zu schnell zurück. Ist es deshalb so schwer, sich zu trennen? Den anderen Touris, mit denen wir uns unterhalten, scheint es genauso zu gehen. Irgendwann reißen wir uns los, denn wir wollen noch ein Stück weiter den Helgelandsbukken hinauf. Leider hat es zu regnen begonnen und der weiterführende Weg ist so glitschig, dass wir kaum vorankommen und dabei noch das Gefühl haben, uns jeden Moment den Hals zu brechen. Also kehren wir um und freuen uns sehr über die Stahlseile, die hier und da den Abstieg erleichtern. Als Entschädigung für den entgangenen Gipfel winken später am Tag 70 Zentimeter Angelglück: Ein feister Pollack bereichert, nein, dominiert die nächsten zwei Abendessen.

Der Svartisen-Gletscher ist nun wirklich unser turning point, ab jetzt geht es gemütlich und in großem Bogen nach Nesna, ins Winterlager. Die Zwischenstopps haben wir bereits grob ausgeguckt, das Kriterium: Topografie. Welches sind die steilsten, schroffsten, markantesten Zacken, die in dieser Gegend aus dem Meer ragen? Genau die steuern wir an. Im Fall von Rødøya (der nördlicheren der beiden Rødøya-Inseln diesmal) erweist sich das schonmal als gute Idee. Bereits kurz nachdem wir am Ausgang des Holandfjords die Segel setzen, sehen wir in der Ferne den Rødøyløva, den 440 Meter hohen „roten Löwen“, im Meer liegen, als bewache er den ganzen Archipel. Ein paar schöne Segelstunden später liegen wir mit Flying Fish in seinem Schatten am Gästesteg, morgens geht es hinauf. Nicht wie sonst durchs Gelände und immer auf der Suche nach der nächsten Wegmarkierung, sondern über eine XXL-Luxus-Natursteintreppe, deren Bau ein Vermögen gekostet haben muss. Eine Norwegerin erzählt uns, man habe eigens Sherpas eingeflogen für das Projekt. Kein Wunder, dass man diesen Gipfel relativ leicht und für viele Menschen zugänglich machen will, denn die Aussicht von oben ist einfach nur fantastisch (und wir wurden in dieser Hinsicht schon ziemlich verwöhnt in letzter Zeit, nicht umsonst stürmen wir fanatisch jeden Hügel). So sehen wir nicht nur die wunderbar ordentlich angeordneten Inselchen um Rødøya nebst Sandstränden und Karibikwasserfarben, sondern können auch noch nordwärts einen ersten Blick auf die Lofoten erhaschen und sehen im Südwesten Træna am Horizont, unser nächstes Ziel.

Thomas
September 9th, 2022 at 12:00 pm

Moin ihr lieben, schwarzes Eis, roter Löwe, türkis-blaues Meer….. seid ihr sicher, im Norden gelandet zu sein?🤣🤣🤣. Wir freuen und mit und auf euch beide. Herzliche Grüße aus dem Süden und bis bsld hoffentlich👋

Thomas
September 9th, 2022 at 11:58 am

Moin ihr lieben, schwarzes Eis, roter Löwe, türkis-blaues Meer….. seid ihr sicher, im Norden gelandet zu sein?🤣🤣🤣. Wir freuen und mit und auf euch beide. Herzliche Grüße aus dem Süden und bis bsld hoffentlich👋
Thomas und Mel, SY-Horizonte

Carsten
September 9th, 2022 at 11:48 am

Soooooooo suuuper
👍
Erste Aussicht auf Lofoten, Nachtigall ik hör dir rufen 😊👍👍
LG aus Makkum

Rudi & Crew
September 7th, 2022 at 8:07 am

Mit so einem Highlight und dem gnädigen Wetter ist es bestimmt nicht ganz einfach, den Fish einzumotten und nach Noisy Town zurückgekommen. Trotzdem: wir freuen uns auf Euch und natürlich auch darüber, dass Ihr noch einen so tollen Spot hattet. Wer weiß schon, wie lange der Gletscher da noch rumfaulenzt….

Svenja
September 5th, 2022 at 8:15 am

Wer hat denn da den perfekten Foto-Point für euch aufgestellt? 😃

Heiko
September 6th, 2022 at 8:34 am

Wissen wie nicht, aber das Foto hat sich sowas von aufgedrängt.

Ruby Tuesday
September 4th, 2022 at 7:21 pm

Magnificent scenery, and looks like the weather is behaving itself too!

Heiko
September 6th, 2022 at 8:35 am

Yes, we have some sommer feeling.

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SY Flying Fish by Heiks
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