Bürokratie unter Palmen

Blog 160513_B04_klEben haben wir leicht wehmütig ein letztes Mal in der Karibik ausklariert, final sozusagen. Wie immer bei den Franzosen ging das schnell und problemlos. Man füllt das „Controle de la Navigation Maritime“-Formular selbst am Computer aus (einziges Übel hierbei ist die Buchstaben-Unordnung auf den französischen Tastaturen, von QWERTZ keine Spur), das Ganze wird ausgedruckt, abgestempelt, nach nur einer Station ist man fertig und niemand interessiert sich so wirklich für die ein- und ausreisenden Segler. Doch das ist nicht Standard, wenn wir uns mal zurück erinnern, normalerweise bedeutet Clearance einen Dreisprung aus Besuchen bei Customs, Immigration und Port Authorities, der Zeit kostet, manchmal auch Nerven, aber absolut nicht so schlimm oder schikanös ist, wie oft gemunkelt wird. Auf den weitaus meisten Inseln wird das gute, alte Durchschlagpapier benutzt. Wir hatten irgendwo mal den schlauen Tipp aufgeschnappt, man solle reichlich fertig ausgedruckte Crewlisten dabei haben, das beschleunige die Sache. Pustekuchen! Jede Behörde möchte ihre eigenen Formulare per Hand ausgefüllt haben, was dazu führt, dass wir mittlerweile eine Vielzahl absurder Buchstaben- und Zahlen-Kombinationen auswendig kennen: Schiffsregistrierung, Reisepassnummer, sämtliche Schiffsdaten sowieso.

Blog 160513_B03_klOft wurde uns freundlich ein Sitzplatz angeboten, manchmal mussten wir erst Schlange stehen. Beim Ausklarieren in Carriacou nichts von beidem, dort war niemand außer uns, doch der Schnösel hinter dem Schreibtisch schaute noch völlig ungerührt und ohne jeden Vertuschungsversuch sein youtube-Video zu Ende und ließ uns zehn Minuten lang wie Deppen herumstehen. Wir haben uns nicht provozieren und zu einem Spruch verleiten lassen, sonst stünden wir wahrscheinlich jetzt noch dort. Auf Barbuda hat man direkt einen Stadtrundgang hinter sich, wenn man endlich alle drei Anlaufstellen gefunden hat, sie sind so prima verteilt wie schlecht beschildert. Beim dortigen Customs Officer kann man außerdem sehen, was mit all den ausgefüllten Formularen letztlich passiert: die Hälfte seines Büros ist mit Kartons vollgestapelt, aus denen eben diese Papiere quellen (danke Jörg von der „Midnight Sun“ für das aus der Hüfte geschossene Foto, das wir uns selbst nicht zu machen getraut haben). Der Beamte auf Statia malmte und schmatzte so eklig auf seinem Kaugummi herum, dass wir kein Wort verstanden haben, obwohl er eigentlich Englisch sprach, und ewig nachfragen mussten. Er schien das gewohnt zu sein, zumindest wirkte er nicht verwundert und wiederholte bereitwillig.
Blog 160513_B02_klDie negativste Erfahrung: auf Union Island gerieten wir an einen Customs-Menschen, der übertrieben unfreundlich war, ein wirklich krass unfreundliches und unsympathisches Ekelpaket. Er vergaß die Gebühren zu kassieren, stempelte aber „paid“ auf unsere Papiere. Als er uns später von einem Boatboy im Ankerfeld suchen lassen und um das Geld bitten musste, lief es besser zwischen uns. Auf Antigua hat Heiko alleine einklariert und sinniert heute noch darüber, wie die Dame von Port Authorities es wohl hinkriegt, ihren Bürojob mit circa zwölf Zentimeter langen, weinrebenartig verwurbelten Fingernägeln zu machen. Und der Immigration-Beamte in Soufrière auf St. Lucia gehörte zu den mega-korrekten, ganz ernsten Exemplaren, die es schaffen, während des ganzen Vorgangs wirklich keine Miene zu verziehen. Doch dann: kaum war der letzte Stempel aufs Papier geknallt, setzte dieser Mensch das weltbreiteste, herzlichste Lächeln auf und fragte, was wir denn jetzt so geplant hätten. Eine Kleinigkeit essen zum Lunch wäre fein, sagten wir ihm. Prompt schloss er seinen Schalter, lief mit uns fröhlich plaudernd durch den Ort und brachte uns zu seinem versteckt liegenden Lieblings-Restaurant. Es war so klasse dort, dass wir noch ein zweites Mal hingegangen sind! So viel zu den Highlights. Im Normalfall war Ein- und Ausklarieren total unspektakulär: wir haben immer versucht, nicht allzu abgerissen auszusehen, Papiere und Geld mitgenommen und das Wissen, dass Öffnungszeiten nicht allzu genau genommen werden. Meistens war der Spaß nach einem Stündchen vorbei. Vorbei wie jetzt der Karibik-Spaß, wir sind in den letzten Vorbereitungen und legen am Sonntag oder Montag ab. Aber vorher melden wir uns hier noch mal!

Jörg und Steffi - Bigfoot
Mai 15th, 2016 at 11:33 am

Hey Ho! Wir drücken Euch für die Überfahrt die Daumen. Genießt es! LG

Thomas
Mai 14th, 2016 at 1:48 pm

Hallo ihr Lieben, dann alles Gute für die Überfahrt. Gibt es schon eine grobe Schätzung wann ihr wo in Europa sein wollt? Stationen eurer Rückreise an euren Heimathafen? Vielleicht kann man ja mal eine Etappe mitsegeln nachdem ich es schon nicht in die Karibik geschafft habe. Herzlich und alles Liebe. Thomas

Lindenthaler
Mai 14th, 2016 at 8:17 am

Liebe Heiks!!!
Nun denn… einen guten Start für die Heimreise!!!! Wir wünschen euch für die Rückreise, dass alles so gut klappt, dass wir möglichst bald von eurer sicheren Ankunft lesen!!!!

Rainer
Mai 14th, 2016 at 8:01 am

Hallo ihr Karibikbummler,
alles hat ein Ende nur die Banane. ….
Ich habe eure Berichte immer mit größtem Interesse verschlungen. Unglaublich, wie schnell die Zeit rennt. Jetzt kommen wieder andere Herausforderungen auf euch zu. Auch die werdet ihr meistern. Ich bin da sehr von euch überzeugt.
Passt auf euch auf, kommt gesund zurück und immer schön die Position eintragen. Viele liebe Grüße aus Korschenbroich,
Rainer

Carsten
Mai 14th, 2016 at 7:51 am

Moin,moin aus warns,
Die alte Dame liegt seit vorgestern im Wasser und versucht seit gestern der fish den Platz frei und seit heute Nacht auch warm und trocken halten. Was ihr bei 10 grad Celsius und schauerböen nicht hoch genug anzurechnen ist.
Aber ihr erlebt ja noch so manches Abenteuer und etwas Geduld habt ihr ja in der Karibik aufgesogen.
Viel Spaß auf dem weiteren Törn und gute Fänge für Fisch und Wind
Wir freuen uns auf den nächsten Bericht
LG von der Atlanta

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SY Flying Fish by Heiks
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