Geduld und Kurzweil

Immer noch keine günstige Wettervorhersage, wie gut, dass wir Zeit haben und einfach in Marigot bleiben können. Die letzten Tage fühlten sich an wie geschenkter Urlaub: perfektes Wetter, im Ankerfeld um uns herum nette Leute, dazu ein Haufen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Entsprechend viel haben wir unternommen, waren shoppen in Philipsburg, haben die wunderbare Aussicht von Fort Louis in Marigot genossen, zwischendurch die Crew der „Finn“ in der Marina besucht, abends am Strand den Grill angeschmissen, uns auf dem Seglerflohmarkt umgeschaut. Auch Flying Fish kommt unser verlängerter Aufenthalt zugute, wir konnten einfach mal ein paar Stunden der Pflege von Leinen und Schoten widmen, der Motorraum glänzt und wir haben endlich Ersatz für eine fast rundgedrehte Entlüftungsschraube am Motor gefunden, ein winziges Perkins-Ersatzteil, dem wir schon seit Martinique hinterher jagen. Abends um 23 Uhr UTC hören wir meistens in die SSB-Funkrunde der Leute rein, die gerade schon Richtung Azoren segeln. Richtig glücklich sind sie alle nicht. Der Rückweg ist doch deutlich anstrengender und anspruchsvoller als die Strecke von den Kanaren in die Karibik, einen Luxus wie stabilen Passatwind gibt es nicht. Stattdessen muss man die umeinander kreisenden Hochs und Tiefs laufend beobachten und seinen Kurs anpassen, um möglichst weder vom nördlich drohenden Starkwind noch der Flautenzone weiter südlich erwischt zu werden. Die Strecke kann beliebig unangenehm sein.

 

 

Also lieber noch ein wenig in Urlaubsgefühlen schwelgen. Beispielsweise waren wir in der Maho Bay im niederländischen Teil der Insel, diese Bucht wird nicht nur zum Baden besucht, sondern vor allem zwecks Planespotting. Denn direkt hinter dem Strand beginnt die Start- und Landebahn des Juliana Airport und die Leute machen sich einen Spaß daraus, direkt bei den Warnschildern hinter den startenden Flugzeugen zu stehen, am Zaun festgeklammert, während ihnen die heiße Luft des Jet Blast und massig Sand um die Ohren fliegen. Wir fanden die landenden Flieger noch faszinierender, sie scheinen fast die Köpfe der Strandbesucher zu streifen, außerdem posieren viele Leute dort wirklich hinreißend. Einer der schönsten Tage war mein Geburtstag am Dienstag, wir sind mit dem Bus nach French Cul de Sac gefahren, um von dort aus eine Küstenwanderung um das Nordende der Insel zu unternehmen. Kurz zweifelten wir an dem Plan, als der Weg direkt die ersten fünf Minuten an einer riesen Müllkippe entlang führte, doch kaum war die außer Sicht, konnten wir nur noch staunen bei so viel schöner Landschaft: Kakteen an den grünen Hängen, herrliche Ausblicke auf die Inseln Tintamarre und Anguilla, Traumstrände und Unmengen schöner Muscheln und versteinerter Korallen. Am Abend dann ein delikates Lobster-Essen in Marigot, eigentlich sollte man möglichst immer in französischen Gefilden Geburtstag haben. Tausend Dank an dieser Stelle für die vielen Glückwünsche, die mich auf verschiedensten Kanälen erreicht haben!

 

 

Ludger
Mai 13th, 2016 at 4:04 pm

Liebe Heiks,
das wird ja immer spannender mit der Abreise! Die http://www.zu-zweit-auf-see.de/ sind auch seit ca. einer Woche unterwegs und haben wohl ziemlich viel Flaute. Sind aber auch deutlich weiter nördlich gestartet.
Hier warten wir alle gespannt auf den heiligen Geist, der sich alljährlich am kommenden Wochenende einstellen soll. Der hat in diesem Jahr ein schlechtes Wetterkarma. Gefühlte 4 Grad sollen es in Stavoren werden – Segeln zum abgewöhnen. Wir haben uns übrigens als Regentänzer für Afrika beworben! Nach 8 monatiger Pause fängt es ausgerechnet in der Woche an zu regnen, in der wir in Marokko sind. Wenn ihr also Regen, Wind und Kälte benötigt, schreibt einfach, wir kommen vorbei.
Liebe Grüße vom Schreibtisch und viel Glück mit dem Wetterfenster, Ludger

Thomas
Mai 13th, 2016 at 11:13 am

Ja die Rückfahrt unterscheidet sich vom Badewannenfahrwassertreibenlassen der Hinfahrt :). Wir hatten zwar etwas strammere Winde und höhere Wellen kamen aber sehr gut und zügig durch bis zu den Azoren. Ein norwegisches Boot was einen Tag nach uns losfuhr kam aber erst einige Tage später auf den Azoren an, da sie einige Tage in einer Flaute – nun ja, nachdem sie nicht allen Sprit verfahren wollten – standen :). Auf bald, freue mich sehr auf euch. Gute Fahrt!

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