St. Kitts

Kann man‘s schon sehen? Na klar, liegt ja direkt nebenan! Nur eine Mini-Distanz von sieben Seemeilen galt es zu bewältigen, um von Nevis zur Schwesterinsel St. Kitts (oder St. Christopher) zu gelangen, von der Segelfront gibt es insofern nichts zu berichten. Wir haben zunächst in der White House Bay unseren Anker geworfen und uns die Baustelle des Christophe Harbour angesehen, ein Mammut-Projekt, das die große Halbinsel im Südosten komplett verändern wird und sie zum neuen Yachting-Center von St. Kitts machen soll. Außer der Marina mit Superyacht-Liegeplätzen sind bis zu 2.000 Privatresidenzen vorgesehen, ein Golfplatz und die üblichen Shopping- und Gastro-Annehmlichkeiten. Wir stehen solchen Vorhaben mit gemischten Gefühlen gegenüber, sicher kommt Geld auf die Insel und Arbeitsplätze, auch scheint das Ganze recht geschmackvoll gestaltet zu werden, aber ist es okay, ein solches Naturparadies derart radikal umzukrempeln und zu kommerzialisieren? Zumal die Pläne den Eindruck machen, als sollten sämtliche Normalverdiener demnächst draußen bleiben…

 

 

Überhaupt ist St. Kitts deutlich tourismusorientierter als Nevis, während unseres Aufenthalts hier kamen täglich ein bis zwei Kreuzfahrtschiffe an und wir haben bisher keinen Ort gesehen, der davon so geprägt ist wie die hiesige Hauptstadt Basseterre. Wer das Cruise Ship Dock verlässt, gelangt automatisch in ein großes, modernes und mega-künstliches Shoppingareal, bunt und laut, super-dutyfree-spezial-Angebote von allen Seiten. Dazwischen Stelzenläufer, Tanzdarbietungen in fragwürdigen Kostümen und Leute, die den Touristen Fotos mit zahmen Affen anbieten, ein gewaltiger Zirkus. Erst außerhalb dieses Port Zante findet sich das typisch chaotische und original karibische Basseterre mit seinen Shops, Marktständen und Straßenverkäufern, den „Snackettes“ an jeder Ecke und den entspannten und freundlichen Menschen.

 

 

Doch uns zog es gar nicht wirklich in die Stadt, wir wollten endlich mal wieder eine Wanderung unternehmen, die den Namen verdient. Gar nicht so einfach: es existiert keinerlei Kartenmaterial und im Tourist-Office heißt es einfach nur, man möge doch einen Guide buchen, anders funktioniere Wandern hier nicht. Nichts gegen Guides, doch zum einen laufen wir gern auch mal unser eigenes Tempo und mögen nicht ständig gesagt bekommen, wo wir besonders vorsichtig sein sollen, zum anderen haben wir keine Lust, für jede paar Meter zu Fuß einen Haufen Dollars auszugeben. Also: intensive Internetrecherche war angesagt und siehe da, nach einer Weile hatten wir das Gefühl, es gut allein vom Küstenort Newton Ground auf den Kraterrand des inaktiven Vulkans Mount Liamuiga schaffen zu können, mit 1.156 Metern die höchste Erhebung der Insel und angeblich einer der anspruchsvolleren Berge in der Karibik. Und entsprechend hat es schon ein bisschen weh getan: das erste Drittel läuft man noch auf üblichen Wegen durch den Regenwald, im zweiten Drittel wird es deutlich steiler und ein wenig matschig, das letzte Drittel ist reines Klettern und nur unter Zuhilfenahme von Händen, Wurzeln, Bäumen, Steinen und den hier und da gespannten Seilen zu schaffen. Eine großartige Tour! Oben angekommen wurden wir durch einen herrlichen Blick in den grünen Krater belohnt und als Bonus gab es noch Affen zu beobachten. So wie die Tiere durch das Geäst gerumpelt sind, hätten wir eigentlich mindestens Berggorillas erwartet, doch es handelte sich tatsächlich um die frei lebenden Verwandten der bedauernswerten Kollegen, die unten in Port Zante Windeln tragen und auf Touristen posieren müssen: Grüne Meerkatzen. Wir haben einen Haufen Affen-Suchfotos produziert, dann ging es zurück zum Ausgangsort und mit schmerzenden Füßen und zitternden Muskeln in den Bus nach Basseterre und zu Flying Fish.

 

 

(Sehr empfehlenswerte Wanderung, die derzeit beste Wegbeschreibung findet sich auf der noch unfertigen Seite www.skntrails.wordpress.com unter „Crater/Volcano Rim Hike“).

 

Ludger
April 18th, 2016 at 10:53 am

Liebe Heiks,
da hab ich ja ein echt kölsches Jubiläum verpasst! Auch von mir herzlichen Glückwunsch.

Das mit den Hotels habt ihr falsch verstanden! Das hat was mit modernem Reisemanagement für Investoren zu tun! Du investierst 400.000 Dollar in ein Hotelprojekt auf St. Kitts und bekommst „nach strenger Prüfung“ eine Staatsbürgerschaft des Landes mit visafreien Reisemöglichkeiten. Von wegen vor Stacheldrähten Schlange stehen…

Eigentlich wollte ich diese Grüße ja von Bord senden und nicht vom Schreibtisch. Die Reanimierung der Pharos zu einem funktionierenden Segelschiff dauert aber jedes Jahr länger als geplant. So sind wir dann doch ohne „Grüße von Bord“ abgereist. Aber jetzt kann´s los gehen!
Schaut mal bei mir in FB vorbei, da hab ich ein tolles Foto von Matthias beim Training für die Segelbundesliga geteilt. Die Saison geht nächste Woche los. Weitere zum Teil spektakuläre Fotos vom Training und Infos zur Segelbundesliga gibt’s auf der FB Seite der Mittelsmann´s Werft.
Herzliche Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Tiefers
April 16th, 2016 at 11:41 pm

Da hab ihr ja Tag 333 auf See würdig mit einer Wanderung gefeiert!! Respekt und Gratulation zur „Schnaps“zahl auf FF. Wir erheben die Gläser….
Walburgos

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