Barbuda

Im Gegensatz zu den meisten anderen Inseln, die wir besucht haben, ist Barbuda flach. So flach, dass wir unser „Land in Sicht“ dieses Mal erst gerufen haben, als wir nur noch fünf Seemeilen entfernt waren von diesem unfassbar schönen Naturparadies, von Riffen umgeben und mit Sandstränden so weit das Auge reicht. Wir ankern in der Low Bay in türkisfarbenem Wasser, außer uns ist nur eine Handvoll anderer Schiffe hier, circa alle hundert Meter liegt eines. „Unser“ Strand schimmert rosa vom Korallensand und ist bloß ein schmaler Landstreifen, dahinter befindet sich die leuchtend grüne Codrington Lagoon, die man mit dem Wassertaxi oder Dinghi überqueren muss, um in den Hauptort Codrington zu gelangen. Die Atmosphäre dort ist tiefenentspannt, die Menschen freundlich bis super-herzlich. Überall laufen Pferde und Esel frei herum und um Kahlfraß zu verhindern, sind die meisten Grundstücke umzäunt. Auf Barbuda verweigern sich die rund 1.500 Einwohner trotz hoher Arbeitslosigkeit bisher erfolgreich dem Massentourismus, obwohl es reichlich Bestrebungen seitens der Regierung auf Antigua gibt. Sie halten an ihrer traditionellen Lebensweise fest, daher die relaxte Einfachheit und die Unberührtheit der Natur. Aktuell allerdings ist beides in Gefahr: der Schauspieler Robert de Niro will gemeinsam mit einem australischen Investor ein Nobelresort der teuersten Kategorie samt Superyacht-Anleger errichten, von 250 Millionen US-Dollar ist die Rede. Zwar kein Massentourismus, aber die Insel wäre sicher nicht mehr dieselbe.

 

 

Im flachen Nordteil der Lagune gibt es eine riesige Fragattvogel-Kolonie mit rund 20.000 Tieren, in dieses Naturschutzgebiet haben wir zusammen mit Sukie und Colin von der „Betsy“ einen sehr beeindruckenden Ausflug unternommen (so beeindruckend, dass Heiko sich sogar die obligatorische Frage nach der Genießbarkeit der Tiere verkniffen hat). Unser Guide „Junior“ chauffierte uns zunächst mit Überschallgeschwindigkeit über das Wasser. Sobald wir in die Nähe der Vögel kamen, drosselte er das Tempo, klappte schließlich im knietiefen Wasser den Außenborder hoch und schob das Boot mit uns darin vorsichtig zwischen den Mangroven hindurch, begleitet von vielen spannenden Informationen: ähnlich den Pinguinen brüten die männlichen Tiere das einzige Ei eines Paares aus und übernehmen die ersten drei Monate Elternzeit, während das Weibchen die Nahrung heranschafft, dann macht sich der Mann aus dem Staub und das Muttertier hat noch mindestens ein halbes Jahr lang zu tun, bis der Nachwuchs flügge wird und für sich selbst sorgt. Dem Aufwand entsprechend können Fregattvögel aber auch bis zu vierzig Jahre alt werden und erreichen Spannweiten von drei Metern. Wir waren überrascht, wie nah wir an die Vögel heran konnten und wie wenig scheu sie sind. Ein schöner und lustiger Anblick, wie die zahlreichen puscheligen Küken-Köpfe neugierig aus dem Gebüsch ragen, untermalt von einer Mischung aus deren hungrigem Gezeter und dem Signalton von Juniors Handy beim Erhalt neuer Facebook-Nachrichten (ein sehr empfehlenswerter und charmanter Guide, erreichbar unter Fon 226-3210). Einzig das charakteristische Aufblasen des roten Kehlsacks der männlichen Tiere blieb uns vorenthalten, denn die Zeit der Balz ist schon vorbei.

 

 

Eine weitere großartige Tour haben wir per Mountainbike unternommen, sie führte uns zunächst in den Nordosten Barbudas zur Two Foot Bay. Die Landschaft dort ist ein Traum und an einer Stelle kann man vom Strand aus durch eine weite Höhle nach oben auf ein Plateau klettern mit spektakulärer Aussicht über Küste und Meer. Eine schwierige Entscheidung, die Blicke loszureißen und diesen Ort wieder zu verlassen. Doch der Hunger trieb uns zurück nach Codrington und von dort aus – Fahrräder ausleihen muss sich schließlich lohnen – noch zum südlich gelegenen Martello Tower, einst von den Briten erbaut zur Verteidigung und als Beobachtungsturm. Von dort aus hat man auf Grund gelaufene Schiffe in den vorgelagerten Riffs ausfindig gemacht und von denen gibt es Hunderte. Uns ist dieses Wissen eine Mahnung zur Vorsicht, denn wir wollen vielleicht in den nächsten Tagen mit Flying Fish noch zur Südküste segeln und dort zwischen den Korallen ankern, wenn das Wetter es zulässt.

 

 

In der entspannten Stimmung Barbudas haben wir uns übrigens unsere weiteren Reisepläne noch mal durch den Kopf gehen lassen und sie teils geändert. Eigentlich wollten wir von hier aus möglichst schnell über St. Barts nach St. Martin und von dort aus neunzig Seemeilen gen Westen, um Ende April / Anfang Mai unsere letzten Karibikwochen in den British Virgin Islands zu verbringen, bevor wir den Rückweg antreten und in einer ersten Etappe zunächst auf die Bermudas segeln. Doch immer öfter haben wir inzwischen gehört, dass die BVIs recht überlaufen mit Charterern sind und man vor lauter Moorings kaum ein Plätzchen für den eigenen Anker findet. So haben wir noch mal sehr viel Törnguide gelesen und schließlich entschieden, dass wir lieber den kleinen und individuelleren „Islands that brush the clouds“ Nevis, St. Kitts, Statia und Saba eine Chance geben, die wir sonst hätten auslassen müssen. Dafür spricht auch, dass der Ludger-vom-Schreibtisch es schätzt, wenn in unserer Berichterstattung einsame Buchten vorkommen. Insofern: von hier aus geht es demnächst nach Nevis, sechzig Seemeilen gen Südwesten.

Frank
April 7th, 2016 at 9:48 am

Hallo ihr zwei,
In SA habe ich ein besseres Netz als in Köln! Die Strände sehen ja fantastisch aus! Sehr beneidenswert! Im Busch ist das Wetter ebenfalls super, aber mir fehlt das Meer ein wenig!
Ich bekomme auf Mails oder WhatsApp Nachrichten kein Return! Erreichen sie euch überhaupt?
LG Frank

Ludger
April 7th, 2016 at 7:51 am

Liebe Heiks,
ich wollte gerade schon über die tollen, menschenleeren Strände und einsamen Ankerbuchten schwadronieren, da lenkt ihr selber schon ein und plant weitere Einsamkeit! Gefällt mir gut. Volle Häfen und Chartersegler gibt´s all over the world satt. Sooo stellt sich der gemeine Ijsselmeer – Segler die Karibik vor – toll. Insbesondere die Bar aus verzimmertem Strandgut hat es mir angetan. Werde Han sofort vorschlagen, ein entsprechendes Etablissement in der Vrijheid zu etablieren. Der hat uns übrigens hoch und heilig und ohne gekreuzte Finger versprochen, die Pharos heute oder morgen zu kranen. Heute böte der Wind zwar noch eine Ausrede aber für morgen ist moderates Frühlingswetter angesagt (natürlich nur auf holländisch mit Temperaturen bis 13 Grad aber Wind unter 10 Knops). Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Berichte aus der Einsamkeit.
Liebe Grüße vom Schreibtisch, Ludger

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