A question of skills

Seit gestern sieht Flying Fish wieder aus wie ein amtliches Fahrtenschiff, denn unser neuer Windgenerator ist installiert, nachdem der Vorgänger in Spanien wegen eines Materialfehlers abgebrochen und ins Meer gekippt war (s. Blogbeitrag „Costa da Morte“). Eigentlich sollte die Reparatur schon in Porto stattfinden, doch dort hatte niemand Zeit für uns, so hat unser netter portugiesischer Ansprechpartner von Silentwind hier, in der Gegend von Lissabon, eine Verabredung für uns getroffen. Am Samstag Abend kamen wir in der Oeiras Marina an der Mündung des Tejo an und sind direkt Sonntag Mittag bei auflaufendem Wasser die vier Seemeilen flussaufwärts zum Centro Nautico de Algés gesegelt, wo wir am Steg übernachten durften. Nur auf den ersten Blick eine gute Idee: in der Bucht stand Schwell und die Wassertiefe war ziemlich knapp für Flying Fish, viel geschlafen haben wir nicht. Ab Montag um 8.30 Uhr hätte dann direkt für uns gearbeitet werden sollen. Mit viel Weitblick hatten wir schon anderthalb Wochen vorher mitgeteilt, welches Kabel und sonstige Zubehör wir benötigen und unsere Idealvorstellung war: ein Geschwader von Fachkräften fällt über unser Schiff her, der Schweißer flext und schweißt, der Elektriker montiert den Generator (oder hat dies vielleicht sogar bereits vorbereitet), Assistenten assistieren… Ihr habt es sicher schon erraten, liebe Leser, es kam anders. Erst mal kam nämlich überhaupt niemand und auf Nachfrage erfuhren wir, dass „irgendwann“ mal jemand gucken will. Als wir freundlich auf unseren Termin verwiesen, hieß es bloß, diese Werft arbeite ja wohl nicht nur für uns. Der Windgenerator stand originalverpackt in der Ecke und von dem benötigten Zubehör war genau gar nichts bestellt worden, man wolle halt schließlich erst mal selbst gucken.

 

 

Mittags guckte dann Schweißer Manuel und tat, was Handwerker auf Werften immer tun: erst mal kein gutes Haar an der Arbeit des Vorgängers lassen und behaupten, das ginge so nicht und man könne und müsse das viel besser lösen. Seine einzige Tat an diesem Tag: er flexte die abgebrochenen Halterungen von der Reling. Ansonsten waren wir die einzigen, die gearbeitet haben: wir montierten den neuen Mastfuß am Heck, schnitten Dichtungsgummis zu, bereiteten den Generator vor und fragten halbstündlich den jeweils verfügbaren unserer drei bis fünf Ansprechpartner, ob inzwischen das Kabel bestellt sei, ohne das wir nicht weiter kommen. Am Nachmittag kapitulierten wir. Der Schweißer hatte eh erst in zwei Tagen wieder Zeit, das Kabel war immer noch nicht in Sicht und Wind und Schwell wurden mehr, so dass wir unbedingt weg von dem Steg und zurück in die Marina wollten. Dort angekommen verwendeten wir noch mal viel, viel Energie auf Telefonate und Mails mit Silentwind und fürchteten uns vor dem gestrigen Mittwoch, 10.30 Uhr. Doch Achtung, jetzt nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: pünktlich erschienen Manuel und Piedro – mit Kabel, fertig vorbereiteten Stützrohren und Werkzeug! In kooperativer und freundlicher Eintracht erledigten wir zu viert alle erforderlichen Schritte. Zahlreiche Stegnachbarn waren zugegen und beinahe verloren wir unsere Rotorblätter an Herwig, mit dessen Sonnenbrille sie farblich wirklich perfekt korrespondierten. Schweißer Manuel (der offensichtlich lieber schraubt als schweißt) hatte bei der Vorbereitung der neuen Befestigungsmanschette leider die Form unserer Reling ein wenig aus den Augen verloren, doch schnell wurde sein Standard-Einwurf „it’s just a question of skills“ zum running gag und tatsächlich murkste er die Konstruktion irgendwie so zurecht, dass sie nun passt. Fertig! Ob der Generator funktioniert, muss sich während der Überfahrt nach Madeira zeigen, doch wir sind guter Dinge.

 

 

Noch ein Nachtrag zu unserem letzten Stopp im Fischerstädtchen Peniche: schön war es dort! Schöner Liegeplatz, schöner Ort, schöner Strand, malerische Fortaleza und guter Supermarkt – empfehlenswert. Und nun erkunden wir von Oeiras aus Lissabon, eine genial schnelle und günstige Bahnverbindung macht es möglich. Doch die Hauptstadt verdient natürlich demnächst einen eigenen Blogbeitrag.

Ludger
September 18th, 2015 at 2:05 pm

Hallo Heiks,
darauf habe ich jetzt schon Wochen gewartet – nicht nur schöne Urlaubsbilder sonder endlich mal wieder Werkzeug und Murks – schön das das Chaos ausgeblieben ist. Aber der Funktionstest…. Gute Reise nach Madeira, sagt früh genug Bescheid, damit wir Neptun und Aeolus(t) ordentlich mit Rum bestechen können. Vielleicht können sich weingstens die frühen Europäer auf liberale Verhältnisse einigen…Grüße vom freitaglichen Schreibtisch, gleich gehts in die Vrijheid, leider ohne Gerlinde.

Sven
September 18th, 2015 at 9:15 am

Also, so geht das hier nicht: Einfach „amtliches Fahrtenschiff“ schreiben. Dafür muss erstmal ne Bescheinigung her mit mind. drei Stempeln und Siegel und so … Euer ROAR

Carsten
September 17th, 2015 at 9:43 pm

BINGO
Herzlichen Glückwunsch von uns
Genießt noch unser europäisches Festland
Das Ihr die skills dafür habt, habt ihr ja bereits schon unter Beweis gestellt
Ganz lieben Gruß
Von uns
Und… . Ja, von Mr. Solo

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