Boa tarde!

Endlich mal wieder ein perfekter Segeltag, lang ist’s her. Gestern haben wir bei vier Beaufort und Wellen aus Nord die 35 Seemeilen zwischen Viana do Castelo und Porto zurückgelegt und das war herrlich. Fast sind wir hergesurft: man sieht und hört eine große Welle von achtern anrollen und sich langsam auftürmen. Flying Fishs Heck wird angehoben, kurz vibriert das ganze Schiff, dann geht es bergab und die Geschwindigkeit rauf auf über sieben Knoten. Ist die Welle unter uns durch, bremst es im Tal sanft ab und die nächste kann kommen. Schön! Am Schluss hatten wir sogar noch eine kleine, größenwahnsinnige Makrele an der Angel. Sie gehörte gar nicht zur Zielgruppe, hatte sich aber verwegen in einen Haken des großen Thunfisch-Köders verbissen, den wir hinter uns her zogen. Unsere Euphorie war nicht ganz so groß, nachdem wir am Samstag auf dem Weg von Baiona nach Viana do Castelo nur ganz knapp an einem echten Großwild-Fang vorbei geschrappt sind: kurz vor dem Ziel knatterte die Rolle der Angel und in Sekunden waren 250 Meter Angelschnur abgerollt, bevor Heiko langsam bremsen konnte und sie sich straffte (und zwar sehr deutlich über das gewohnte Plastiktüten- oder Wasserpflanzen-Niveau hinaus). Heiko versuchte das Tier vorsichtig heran zu kurbeln, doch das kämpfte heftig, überholte unser Schiff schließlich auf der Steuerbordseite, dann riss mit einem lauten „ping“ die 21 kg-Schnur und es verschwand in den Weiten des Atlantik. Große Enttäuschung rundherum, die vor uns motorende und über Funk informierte „Balou“ hatte sofort gewendet und kam – Beate mit gezückter Videokamera – auf uns zu, alle hatten schon Speichelfluss beim Gedanken an Thun- oder Schwertfischsteak und das Sushi vorab. Tja, wir wollen trotzdem nicht undankbar sein. Gestern gab es also „makrelen-flavoured Süßkartoffelcurry“ und das war sehr lecker. Und auch am Samstag wussten wir uns kulinarisch zu helfen. Der Marinero von Viana hatte uns wegen zu starker Strömung nicht in den Hafen gelassen, stattdessen machte unsere kleine Flottille (zu der noch die „Karolina“ gehörte) an einem Steg direkt im Rio Lima fest, viel besser als Hafen und ein super Grillplatz!

 

 

Schön ist sie übrigens, die portugiesische Küste von See aus. Sehr geradlinig, aber abwechslungsreich mit malerischen und weniger malerischen Orten, Landschaft, Industrie und kilometerweise Strand. Anders als in Spanien und England gibt es hier nicht einzelne, sondern Unmengen Fischerbojen zu umfahren, an vielen sind lange Schwimmleinen befestigt, die im Wasser treiben und auf keinen Fall in die Schiffsschraube kommen sollten. Ausguck halten ist also angesagt und wir hoffen, dass wir es ohne Nachtfahrt nach Lissabon schaffen. Und unser erster portugiesischer Ort?! Viana do Castelo war ein guter Einstieg, ein gemütliches Städtchen zwischen bewaldeten Hügeln, viele Häuser mit reich verzierten und gekachelten Fassaden. In den Straßen hängt tonnenweise Leuchtdekoration und wir sind uns nicht sicher, ob sie noch vom großen Fest der Nossa Senhora da Agonia im August übrig ist oder ob die Weihnachtsdeko hier praktischerweise ganzjährig hängen bleibt. Für mehr Überblick haben wir uns eine Fahrt mit der historischen Standseilbahn gegönnt zur 250 Meter hoch gelegenen Wallfahrtskirche Santa Luzia, einer Nachbildung der Pariser Kirche Sacré-Coeur. Von dort ließ sich prima der hin und her wabernde dichte Seenebel über der Flussmündung beobachten, mit dem wir aus der Nähe lieber nichts zu tun haben wollen. Und genau jetzt wartet als zweite Station Porto auf uns, wir sind gespannt!
 

Sven
September 2nd, 2015 at 6:38 pm

Ja, ich bin noch bei Euch! Auch wenn ich hier mal ein paar Tage lang nichts von mir gebe, so werden Eure Posts doch immer innerhalb einer Tagesfrist „verschlungen“. Und immer werden ein paar Minütchen von der Stunde abgezwackt, um mal schnell Fotos zu gucken. Und den Riesenfisch habe ich dann beim dritten Mal durchsehen auch gefunden …
Herzliche Grüße, Sven

Ludger
September 2nd, 2015 at 5:46 pm

Olà Heiks,
begrüßt von einer barbusigen, Blüte tragenden Schönheit – wenn das so weiter geht!
Irgendwie verliert Eure Reise an Dramatik! Keine gebrochenen Rotoren, kein Wasser im Schiff, keine Klagen über Herrn Perkins, nur poetische Beschreibungen über die wogende See und kleine Entäuschungen über zu kleinen, ungemein frischen Fisch… gefällt mir aber sehr gut. Weiter so.
Herzliche Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Silke
September 2nd, 2015 at 5:42 pm

Liebes Brüderlein!
Ich bin sooooo stolz auf deinen ersten Fischfang! Weiter so!

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