Das Ziel ist das Ziel

Segeln und feste Termine, diese zwei schließen einander eigentlich kategorisch aus. Da wir aber um jeden Preis am 17. September in Warns sein wollen, sind wir gerade kein Stück wählerisch, was unseren Hauptantrieb angeht: sobald irgendein Lüftchen aus der halbwegs richtigen Richtung weht, bewegen wir uns weiter Richtung Niederlande, nur absolute Flauten und Gegenwind werden ausgesessen. Diese Strategie hat uns zwei sonnige Tage mit Susanne und Wilfried im gemütlichen 30.000 Einwohner-Ort Dieppe beschert, wir sind durch die Gassen geschlendert und zur alten Burganlage mit der schönen Aussicht und haben es uns kulinarisch gut gehen lassen. Besonders das etwas abseits gelegene Restaurant „Le Turbot“ hat uns umgehauen, warum eigentlich sind nicht alle Franzosen kugelrund, fragten wir uns nach dem köstlichen Dreigangmenü. Am Samstag dann mussten wir unsere Gäste leider über Land gen Heimat ziehen lassen, wir selbst haben bei sehr, sehr leichtem Wind die 53 Seemeilen nach Boulogne-sur-Mer in Angriff genommen. In der richtigen Tidenphase mit Strom von achtern und Unterstützung durch Herrn Perkins geht das und nach knapp zehn Stunden waren wir am Ziel.

 

 

Boulogne hat den größten Fischereihafen Frankreichs und zahlreiche Verarbeitungsbetriebe, pro Jahr fängt die dortige Flotte rund 35.000 Tonnen Fisch. Entsprechend industriell muten Hafeneinfahrt und die Umgebung der Marina an. Doch nur ein paar Schritte entfernt befindet sich die Altstadt mit ihren vielen historischen Gebäuden und hübschen Plätzen. Wir haben sie uns im letzten Tageslicht im Schnelldurchlauf angesehen, denn direkt für Sonntag war Wind angesagt, wirklich Wind dieses Mal bis sieben Beaufort, den konnten wir uns nicht entgehen lassen. Als wir bei der Hafenausfahrt das Wasser mit Getöse gegen die Pier donnern und darüber fliegen sahen, wollten wir am liebsten umkehren, so verweichlicht sind wir nach all den Flautentagen mittlerweile schon wieder. Aber raue Bedingungen sind eben auch auf dem offenen Atlantik einfacher zu handhaben als im engen Kanal zwischen Küste, Untiefen und vielen anderen Schiffen. Doch egal, die Routine war schnell zurück und es wurde ein cooler Ritt mit Rückenwind und ausgebaumten Vorsegeln, bis zu zehn Knoten über Grund flog der Fish, diese 50 Seemeilen hatten wir in sechseinhalb Stunden abgehakt. Und nun sind wir in Dunkerque, hatten gestern einen sehr kurzweiligen Abend mit Ute und Manfred von der „Auriga“ und Inger und Bram von der „Capella“. Drei schöne Koopmans-Schiffe an einem Steg, bestimmt ein eher seltener Anblick.

 

 

Heute regt sich wieder kein Lüftchen, es ist grau und still. Die einzigen Geräusche verursacht eine Möwe neben uns auf dem Steg, die gerade ein Miesmuschelmassaker zelebriert: ein lautes „plock“, wenn sie das Schalentier aus vier, fünf Metern Höhe auf das Holz fallen lässt, dann wildes Gehacke, bis das Opfer inclusive des letzten Schleimfadens aus der Schale gepickt und verschlungen ist. Die nächste bitte. Laut Vorhersage können wir wahrscheinlich am Donnerstag weiter, wollen es dann in einer Nachtfahrt direkt bis Scheveningen oder Ijmuiden schaffen, die belgischen Orte mit ihren komplizierten, zeitraubenden Einfahrten durch die vorgelagerten Sände auslassen. Bis dahin schauen wir mal, was Dunkerque noch so zu bieten hat.

Ludger van Holt
September 10th, 2016 at 11:11 am

Liebe Heiks,
da seid ihr endlich angekommen! Bei strahlendem Sonnenschein, Hannes Wader spielt zum Empfang „Gut wieder da zu sein…“ ein kühles Kölsch fließt durch die Kehlen zahlreich erschienen Familienmitglieder und Freunde und die Balous haben wie versprochen die Leinen entgegen genommen. Eure aus der Karibik eingeschleppten Schnecken, Muscheln und der Algenbart am Schiff verwandeln die Vrejheid in ein tropisches Paradies mit eindeutig karibischem Flair. Nur der von der leichten Brise herangetragene Fritten – Duft verleiht der Szenerie eine eindeutig heimische, friesische Note – eben zu Hause!
Autsch – da bin ich aus süßem Traum erwacht und mit dem Kopf voll auf den Schreibtisch geknallt! So ein Sch…

Schade, das Poseidon irgendwie andere Pläne verfolgt hat – er wird seine Gründe haben.

Genießt die letzten Meilen in vollen Zügen, genießt das Ankommen, genießt den dann wieder gewonnen Alltag – wir freuen uns auf eine nachgeholte Ankomm- und Wiedersehensparty.
Liebe Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Klaus-Reiner Esser
September 7th, 2016 at 10:21 pm

… ich übe schon mal, die Arme weit auszubreiten, um sie dann in Warns fest um Euch beide zu schließen Euer KRE

Ludger van Holt
September 7th, 2016 at 11:03 am

Liebe Heiks, lieber Tobias,
leider kann ich ja bei der Begrüßung der weitgereisten nicht dabei sein – aber der Vorschlag mit de Kreupel gefällt mir sehr. Eigentlich könntet ihr am Donnerstag aber auch bis Amsterdam durch segeln, dann könnte ich wenigstens zu einem Preempfang einlaufen.
In jedem Fall müssen wir den neu verliehenen Adelstitel noch gebührend feiern!
Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Falko
September 7th, 2016 at 7:01 am

Hallo Ihr lieben,

irgendwie ist es schön Euch wieder an unserem Kontinent zu wissen. Leider werden wir bei Eurem Empfang nicht anwesend sein können. Es sei den ihr würdet Euch umentscheiden und an einem Ostsee haben ankommen. Grüsse und ein wunderbares Ankommen..

Carsten
September 7th, 2016 at 6:57 am

Wir freuen uns auf Euch

Tobias Köngeter
September 6th, 2016 at 11:34 pm

Jetzt müsst ihr fast schon trödeln, wenn ihr Samstag schon in Ijmuiden seid. Wenn ihr die 7 Tage bis zum 17.9. nicht an der Frittenbude Stavoren verbringen wollt, können wir euch wärmstens die Vogelinsel de Kreupel empfehlen. Dort stört euch niemand, kein Mensch, kein Wasser, kein Landstrom, nur Vögel und unendlich viele Mücken. Dann könnt ihr endlich eure Malariaprophylaxe verbrauchen. Wenn ihr bisher von Malaria verschont geblieben seid bekommt ihr sie bestimmt auf dem Kreupel. Dann könnt ihr auch eure Bilder dort sortieren, die wir dann am 17. schon ansehen wollen. Am 17. sind wir auf Kanal 72 auf Empfang eingestellt.

Wir haben übrigens neulich Ludger den Adelstitel „Ludger vom Schreibtisch“ verliehen…

Grüsse von der SOL Y SON-Besatzung Barbara und Tobias

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