Parabelfluege

Das Tief selbst war gar nicht so schlimm, in der Nacht von Sonntag auf Montag sind wir in dessen Suedwestquadranten gesegelt und haben in Boeen 42 Knoten Wind (acht Beaufort) abgekriegt, stuermischen Wind also, aber noch keinen Sturm (dabei waren wir vorbereitet, hatten zur Sicherheit mal wieder „Segeln in rauen Gewaessern“ und „Sturm – was tun?“ aus der Bordbibliothek gezupft und ueberflogen). Aber die kurze, steile, fuenf bis sieben Meter hohe Welle, die das Biest dagelassen hat, die plagt uns ganz schoen, zumal eine davon ins Cockpit eingestiegen ist und uns ein anstaendiges Fussbad beschert hat. Es fuehlt sich an wie mit mehreren Karussells gleichzeitig fahren, netterweise wenigstens ohne Loopings. Dazu eine unglaubliche Geraeuschkulisse, wenn die Wassermassen gegen den Rumpf donnern, wieder mal sind wir froh, dass Flying Fish aus Stahl gebaut ist. Schoen auch die Toene, die entstehen, wenn sich das Schiff auf dem Wellenkamm fuer Sekundenbruchteile in die Schwerelosigkeit begibt und saemtliche Zuladung einmal kurz abhebt und wieder aufschlaegt, bevor es runter ins naechste Tal geht. Heute hat sich das Ganze zum Glueck schon wieder ein wenig beruhigt, die Wellen sind jetzt hoch und lang, gestern waere an Tippen nicht zu denken gewesen und auch alles andere war eine Qual. Jetzt im Moment haben wir guenstigen Wind und kommen gut voran. Wenn das so bleibt und die neuen Tiefs, die sich gerade zusammenbrauen, brav im Norden bleiben, rechnen wir damit, am Montag oder Dienstag auf Faial anzukommen. Noch 750 Seemeilen. Herr Perkins funktioniert uebrigens nach wie vor, entweder dank der Gewissenhaftigkeit, mit der wir ihn alle paar Stunden kurz laufen lassen oder weil unsere Abdichtung so genial war, dass demnaechst die Reparaturhandbuecher umgeschrieben werden.

Auriga
Juni 5th, 2016 at 9:12 pm

Hallo ihr Tapferen,

während wir hier die bretonische Küste entlang hoppen und schöne Ecken entdecken, denken wir an euch. Wir beobachten auch seit Tagen das blöde Tief und hoffen, dass ihr nun ohne weitere Schikanen und halbwegs komfortabel auf den Azoren ankommt. Die Maverick II von Johannes und Cati hat es gestern geschafft – lt. deren FB-Eintrag war das aber eine echte Quälerei.
Wir sind gerade dabei, für uns die Grib-Files zu interpretieren. Höchstwahrscheinlich werden wir direkt von der Belle Ile am 7.6.2016 die Biskaya überqueren. Ziel soll (geplant haha!) Muros sein. Mal schauen. Bislang konnten wir aufgrund des beständigen Nord-Ost oder Nord-West Windes in aller Ruhe ohne Nachtfahrt nette Meilen machen. Vielliecht klappt es ja, dass wir uns (irgendwo) tatsächlich mal treffen. Wir drücken uns einfach mal die Daumen.
Liebe Grüße
Manfred und Ute

Sven
Juni 1st, 2016 at 3:28 pm

Liebe Heiks,
in den letzten Monaten hätte ich ja zugegebenermaßen das ein oder andere Mal gern mit Euch getauscht – aber heute nicht: Sitze hier warm und trocken, habe einen heißen Espresso und einen Amarettini vor mir und schaue mir – begleitet von Mozarts Klavierkonzert Nr. 2 – den Regen draußen an …
Euren Post lesend bin ich beeindruckt von Eurer Courage und Unverzagtheit.
Weiterhin alles Gute und auf eine gute Ankunft in Faial, Sven

Ludger
Juni 1st, 2016 at 8:50 am

Liebe Heiks, schön zu hören, dass Ihr dem Sturm eine musikalische Seite abgewinnen könnt. Vielleicht solltet ihr die Geräusche aufnehmen und den Sailing Conductors zuspielen, die können daraus dann einen Fish Walzer schneiden. Das nächste Tief liegt direkt über Eurem Ziel aber bis nächste Woche ist das sicher weiter gezogen. Zur Zeit tobt Neptun sich übrigens über Deutschland aus. Unglaubliche Wassermassen kommen hier runter und überfluten ganze Dörfer. Da dürfte eigentlich keine größere Welle mehr vor dem Bug auftauchen, sind alle hier. Liebe Grüße vom Schreibtisch und weiterhin Fair Winds, Ludger

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