St. Lucia

Zwischen St. Vincent und St. Lucia liegt ein wahrhaft garstiges Stück Ozean, die insgesamt 40 Seemeilen northbound passage gelten als „hard on the wind and hard on the body“. Der Start am Donnerstag früh morgens im Schutz der Insel verlief noch sanft, doch kaum waren wir an der Nordspitze St. Vincents angekommen, ging es zur Sache: fiese, extrem steile Wellen direkt von vorn, kräftige Böen, eine Salzwasserdusche folgte der anderen, das ganze hoch am Wind. Flying Fish blieb nach den Einschlägen in die Wellentäler jeweils fast stehen, ohne Motorunterstützung ging phasenweise gar nichts. Ein Glück, dass Herr Perkins mittlerweile ein echter Teamplayer ist. Wir scheinen unsere Dieselleitungen samt sämtlicher Verbindungen und Schlauchschellen inzwischen im Griff zu haben, selbst bei übelster Durchschüttlung dringt keine Luft mehr ein, die den Motor stoppt. Insgesamt kamen wir schneller voran als erwartet, dennoch ein wunderbares Gefühl, als die Pitons, das Wahrzeichen von St. Lucia, in Sicht und immer näher kamen. Genau zwischen den beiden spitzen Vulkankegeln machten wir für eine Nacht an einer Mooringboje fest – geschafft! Dann ging es weiter in die Marigot Bay, ein wahrer Bilderbuchort, umgeben von Palmen und Mangroven, außerdem so geschützt, dass die Bucht als hurrikansicher gilt. Flying Fish lag auch dort an der Mooring, kuschelig im Dreierpäckchen dieses Mal mit „Balou“ und „Fenicia“, endlich also ein Wiedersehen mit Jenny und Simon, von denen wir uns auf Lanzarote verabschieden mussten. UND ein Wiedersehen mit einer Einrichtung, die „heiße Dusche“ genannt wird, denn die Mooringbojen gehören zum Capella Resort, dessen Facilities man mit benutzen darf.

 

 

In unserer Kleingruppen-Konstellation drängte sich natürlich eine gemeinsame Inselrundfahrt geradezu auf. Der wortkarge Julian chauffierte uns gen Süden, durch Fischerdörfer, zu Aussichtspunkten und in der Nähe von Soufrière zu einem Ort, der etwas irreführend als der „einzige Drive-in-Krater der Karibik“ bezeichnet wird. Nun ja, es gibt eine Zufahrt, doch man läuft schlicht vom Parkplatz zu einer Aussichtsplattform, von der aus die blubbernde und dampfende Mondlandschaft gut zu sehen ist. Dort bekommt man einen Guide zur Seite gestellt, in unserem Fall Angel, die wirklich spannende Infos parat hatte. So waren wir zum Beispiel plötzlich ganz dankbar für den penetranten Schwefelgestank um uns herum, denn verschwindet dieser, so erklärte sie uns, deutet das auf eine bevorstehende Eruption des Vulkans hin. Innerhalb der nächsten hundert Jahre wird diese von Experten erwartet, eine beklemmende Vorstellung, in der Gegend dauerhaft seine Existenz aufzubauen und sein Leben zu verbringen. Wegen eines Unfalls vor Jahren darf man nicht mehr zwischen den brodelnden Quellen herumlaufen, aber ein Schlammbad in dem Schwefelwasser an einer unterhalb gelegenen Stelle wird – gegen Aufpreis – angeboten. Wir verzichteten alle freiwillig, haben aber schäbigerweise anderen Touristen dabei zugesehen, die teils wunderbar posiert haben in ihrer Matschpanade. Sie kennen uns nicht, aber ich sage einfach mal danke dafür.

 

 

Insgesamt wirkt St. Lucia sehr erschlossen, ist eines der wichtigsten Urlaubsgebiete der südlichen Karibik. Wir hätten gern noch die ein oder andere Wanderung oder Tour unternommen, mussten aber feststellen, dass alles, was halbwegs interessant klingt, nicht nur Eintritt kostet, sondern auch mit der Verpflichtung verknüpft ist, einen Guide zu engagieren. Guides sind toll, wenn sie etwas zu sagen haben, aber manchmal ist es auch fein, einfach im eigenen Tempo durch die Natur zu stapfen und sie auf sich wirken zu lassen. So haben wir uns zur Nordspitze von St. Lucia davon gemacht, in die berühmte Rodney Bay, alljährliches Ziel der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) und unser Absprungort nach Martinique. Hier treffen wir noch unsere Überfahrt-Funkrunden-Kollegen von den Katamaranen „Me“ und „Imagine“, dann geht es demnächst weiter nach Norden.

Ludger
März 1st, 2016 at 8:25 pm

„DIE WAHRE KARIBIK liegt in Deutschlands Norden:

https://www.youtube.com/watch?v=ZAJ3-k0FNiA

Stahlblaues Wasser, Delphine und das alles mitten im Winter!“ So eigentlich die Idee zur verpassten Schreibtischpost – aber dass ich jetzt schon vermisst werde ehrt mich doch sehr… Danke an die kleine Schwester! Ja es hatte auch einen ganz praktischen Grund, dass sich meine Grüße vom Schreibtisch verspätet haben. Wir waren bei Eurem letzten Bericht schon so gut wie auf dem Weg in die Vrijheid und haben eine weitere Unterkunft in Warns getestet. An die Übernachtung im Zimmer „Mata Hari“ kann ich mich aber nicht mehr erinnern, so vielversprechend der Name und die Einrichtung auch waren. Ich bin gegen 6 Uhr eingeschlafen und habe erst zum Frühstück wieder die steile Treppe runter geschafft. Rund 120 Teakdeckschrauben haben meinen Schreibtisch verwöhnten Rücken und meine zarten Schreibtischhände ruiniert. Schraube raus, bohren, wieder rein und verschließen; hört sich simpel an, ist es aber nicht. So richtig Gefühl für die Tastatur habe ich noch immer nicht und die Reste Sicka unter den Fingernägeln stehen in apartem Kontrast zum Business Outfit. Und so rann die Zeit dahin ohne Grüße vom Schreibtisch…

St. LUCIA – welch klangvoller Name und die Bilder bestätigen den Traum von Karibik – fast so schön wie Flensburg… Aber die Heiks im Schlammbad hätte die Segelwelt auch interessiert, wirklich.
Herzliche und unverzügliche Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Ralf und Uli
März 1st, 2016 at 10:18 am

Liebe Heiks,
es ist jedes Mal wieder schön die spannenden Berichte zu lesen und so an der Reise ein bisschen teilzunehmen. Viele liebe Grüße aus Münster. Fühlt euch gedrückt.
Ralf und Uli

Lindenthaler
Februar 29th, 2016 at 8:23 pm

Ludger???? Ludger??!!!!!!!! Jetzt gab es doch tatsächlich einen Blog ohne einen Kommentar vom Schreibtisch! Deshalb jetzt liebe Grüße AN den Schreibtisch. Hoffentlich gab es einen schönen Grund, der dich,Ludger, gehindert hat, vom Schreibtisch zu Grüßen!!! Alles Liebe, die kleine Schwester des Fish-Kapitäns…

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