Von Zombie-Krebsen und kleinen Inseln

Schön waren sie, die restlichen Tage auf Carriacou. Zumal wir auch noch beste Gesellschaft in der Tyrrel Bay bekommen haben: die „Midnight Sun“ hat wieder aufgeschlossen und von Norden ist die dänische „Sif“ zu uns gestoßen: Christina und Soren mit ihren Töchtern Sofie, Rebecca und Rosa. Auf dieses Wiedersehen freuen wir uns schon seit dem Abschied auf Lanzarote und so waren die Abende extrem kurzweilig, viele Geschichten gab es zu erzählen und Tipps auszutauschen. Absolutes Highlight: der gemeinsame Besuch der vorgelagerten Insel Sandy Island. Sie gehört wie die von uns betauchten Spots zum geschützten Marine Park SIOBMPA, dort darf man nicht selbst ankern, sondern nimmt eine der Mooringbojen, glücklicherweise waren drei Stück frei. Sandy Island ist eigentlich nur ein unbewohnter Streifen Sand mit Palmen drauf, aber so spektakulär schön mit dem türkisfarbenen Wasser drum herum, dass wahrscheinlich genau hier die Fototapeten her kommen. Nach Schlendern, Schnorcheln, Schwimmen brachten wir am Nachmittag alle vorbereiteten Barbecue-Zutaten per Dinghi zum Ostzipfel der Insel, dort hatten wir Grillplatz, Tisch und Bänke vorgefunden. Und prompt ergab die Kombination aus tollen Leuten, perfekter Location und gutem Essen einen unserer bisher schönsten karibischen Abende. Am Schluss kamen die Krebse. Nicht auf den Grill, sondern zum Grill. Hatten wir uns tagsüber noch gefreut, zwei oder drei der kleinen Einsiedler zu finden und sie als Models für lustige Nahaufnahmen zu missbrauchen, waren wir doch erstaunt, als sie nach Einbruch der Dunkelheit in Massen unseren idyllischen Picknickplatz stürmten. Wie ferngesteuert und aus allen Richtungen, ähnlich den Zombies im klassischen Zombie-Film. Offensichtlich wurden sie von den Essensdüften angelockt, eine beruhigende Feststellung, die von großer Freude über die erhöhten Sitzplätze begleitet wurde.

 

 

Interessant war noch der Ausflug per Bus in das Örtchen Windward an der Ostküste Carriacous. Die Bewohner sind bekannt für den Schiffsbau und eine jährlich stattfindende Regatta, bis zu dreißig Meter lange Schoner werden hier mit einfachsten Mitteln aus einheimischem Zedernholz hergestellt. Bei unserem Besuch haben wir mal wieder gemerkt, wie wir manchmal noch mit einem Bein in Europa sind und entsprechende Vorstellungen haben. Unsere Erwartung: eine Art Werftgelände oder -gebäude, wo man eine erklärende Führung bekommt. Die Realität: das im Bau befindliche Schiff steht aufgebockt zwischen einer Häuserzeile und dem Strand, oben auf dem Rand hantiert jemand mit einer Kettensäge, davor steht eine Donation Box. Wir haben nicht erfahren, wie sie das Ganze am Schluss dicht kriegen etc., aber einen schönen ersten Blick auf die Insel Petite Martinique gab es von dort, unser anschließendes Ziel. Denn am Donnerstag haben wir bei den Behörden von Carriacou ausklariert, danach hat man noch 24 Stunden Zeit, um die Hoheitsgewässer Grenadas zu verlassen. Die haben wir für einen Zwischenstopp auf dem nördlichsten Außenposten des Inselstaates genutzt: Petite Martinique hat einen Durchmesser von 1,8 Kilometern und circa 900 Einwohner, die von Bootsbau und Fischfang leben. Doch nicht nur, aufgrund zollfreier Geschäfte mit anderen Inseln ist angeblich das pro-Kopf-Einkommen das höchste der Region. „Bobol“ wird der Schmuggel hier genannt. Uns sind keine ungewöhnlichen Transaktionen aufgefallen, Petite Martinique zeigte sich authentisch, untouristisch und gastlich, allerdings war der Ankerplatz arg unruhig. So fiel es weniger schwer, gestern früh das schöne Grenada final zu verlassen und nordwestlich nach Union Island hinüber zu segeln, eine von 33 Inseln und Eilanden, aus denen der Staat „St. Vincent and the Grenadines“ besteht. Erster Gastlandflaggenwechsel innerhalb der Karibik, mal schauen, was uns erwartet.

 

 

(Bitte beachtet, liebe Leser, dass auf den heutigen Fotos Heikos neue Frisur zu sehen ist, völlig zurecht haben uns Klagen erreicht, dass beim letzten Blogbeitrag ein nachher-Bild fehlte.)

Die Steinis
Februar 2nd, 2016 at 10:15 pm

Liebe Heiks,
wir denken bei den Temparaturen hier tatsächlich an BBQ. Die Kohle glüht bei dem Sturm, die Bruzzler fliegen weg.
Grüße aus der Schweinebucht, Öödinh helau,
Corinna&Frank

Peter Liebetrau
Februar 1st, 2016 at 10:15 am

Heiko, DU kannst das tragen!

Ludger
Januar 30th, 2016 at 8:31 pm

Liebe Heiks,
so richtig kann ich das nicht nachvollziehen, dass ihr gedanklich noch in Europa weilt. Euer schöner Bericht über Barbecue am Strand und die Tapetenbilder stehen doch in krassem Gegensatz zur Landschaft hier in Deutschland: Reichlich Wasser von oben, frühlinghafte zehn Grad bei Sturmböen. Die gewonnene Stunde Helligkeit am Abend wird gerade von den Wolken ruiniert. Und durch die Vorbereitung des Karnevalwerkwochenendes NL sieht es bei uns so ähnlich aus, wie auf der karibischen Werft – nur die Donation Box ist leer… Dafür dürfen wir heute Abend noch einmal die Sailing Conductors genießen, ein Hauch Exotik im tristen Winter.
Lasst es Euch weiter gut gehen und sendet viele weitere schöne Tapeten und Berichte. Die besten Grüße vom Schreibtisch, Ludger
PS: In Europa hättet ihr den Friseur verklagt… aber der wäre hier bestimmt kein Friseur mehr oder fürchterlich berühmt, wer weis.

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