Arquipélago de Cíes

Nach der leicht überdrehten Rüdesheim-am-Rheinhaftigkeit von Combarro waren die Islas Cíes das perfekte Kontrastprogramm. Nicht dass es dort keine Touristen gäbe, ganz im Gegenteil: bis zu 2.200 Menschen werden täglich von den zahlreich aus Vigo, Baiona und Cangas pendelnden Fähren am Vormittag ausgespuckt und gegen Abend wieder eingesammelt, bilden dazwischen bunte Ameisenstraßen auf den Waldwegen und bevölkern die weißen Strände. Doch die Stimmung ist komplett sympathisch, unkommerziell und friedlich, alle möchten nur Strand und Natur und eine gute Zeit genießen. So wie wir. Für drei Tage hatten wir ein Permit und genau so lange haben wir vor der großen Sandbank Praia das Rodas vor Anker gelegen, von dort aus Dinghi-Touren unternommen und die wunderschöne Insel erkundet. Abends, wenn die Bugwellen der Fähren sich gelegt hatten und es friedlich wurde, gab es Leckeres aus der Bordküche oder vom Relinggrill, all das unter einem fantastischen Sternenhimmel. Dann gehörte die Insel uns und einer Handvoll anderer Ankerlieger und Campingplatzbewohner und wir fühlten uns wirklich glücklich und dankbar, dort sein zu dürfen. Für uns beide waren dies die bisher entspanntesten Tage seit unserem Aufbruch im Mai.

 

 

Wenn man überhaupt in irgendeiner Weise von einer Anstrengung oder ernstzunehmenden Aufgabe in dieser Zeit sprechen möchte, dann war dies die Verteidigung unserer Ankerboje. Das ist in unserem Fall eine weiße Kunststoffkugel mit einer Metallöse oben dran, die über ein Gurtband mit dem Anker verbunden ist und an der Wasseroberfläche schwimmend dessen Position markiert. Dadurch sollen zum einen andere Skipper davor bewahrt werden, unser Grundeisen aus Versehen loszureißen, außerdem sehen wir selbst, wie Flying Fish gerade ausgerichtet ist (bei unserem Schiff besonders interessant, da es sich aufgrund seiner Bauart mit langem Kiel etwas unkonventionell verhält). Ich möchte noch erwähnen, dass Ankerbojen nichts besonders Exotisches sind oder gar von uns erfunden wurden, auch im Spanischen gibt es sie und auch ein Wort dafür (boyarin del orinque, falls das mal jemand braucht). Dennoch haben sich vor Cíes gleich mehrere Probanden gefunden, die an dem Teil schlicht ihr Boot befestigen wollten. Beim ersten Mal sind wir erst aufmerksam geworden, als der Fahrer eines kleinen Motorbootes es schon gefangen und zu sich an Bord gezerrt hatte. Dort stand er dann und bestaunte eine ganze Weile unsere Gesten und Erklärungen, ohne von der Boje wieder ablassen zu wollen. Wir mussten erst einen wirklich verzweifelten Eindruck machen, damit er seine Beute mit motziger Mine zurück ins Wasser schmiss und den eigenen Anker benutzte. Zum Glück hatte unserer gehalten und auch die Boje war unversehrt. „Naja, Motorbootfahrer“, dachten wir uns und wehrten ein paar ähnliche Kaperversuche schon während der Anbahnung ab. Doch als schließlich eine große Segelyacht mit acht erwachsenen Männern an Bord mit gezücktem Bootshaken auf die kleine Kugel zu hielt, begann in unseren Köpfen der Nutzen des ganzen Konstrukts allmählich gegen die offensichtlichen Risiken zu verblassen. Letztlich war die Verteidigung erfolgreich und die Boje ist mittlerweile fett mit „Flying Fish“ und „no mooring“ beschriftet. Doch ob wir unser anscheinend etwas zu robust anmutendes Modell in dicht besetzten Ankerfeldern weiterhin benutzen, werden wir uns noch gut überlegen.

 

 

Insgesamt müssen wir als Ankerer sicher etwas cooler werden, besonders nachts macht uns noch jedes Geräusch und jede Bö nervös. Doch das Vertrauen wächst, zumal wir unseren 16 Kilo CQR-Anker mittlerweile gegen den 20 Kilo Delta getauscht haben, der bisher in der Backskiste mitgereist war. Und der hielt jedes Mal im ersten Versuch und hatte mit Windgeschwindigkeiten bis 25 Knoten schon mal kein Problem. Fehlt also nur noch etwas mehr Routine beim Flying Fish-Personal. Gerade könnten wir uns die hier in Baiona holen, denn in diesem Moment fegen mit viel Getöse Böen bis 42 Knoten über uns hinweg. Doch angesichts der Vorhersage haben wir uns gestern doch dafür entschieden, uns von der benachbarten Bucht in die Marina zu verholen und gut festzubinden. Wenn einem nicht gerade alles um die Ohren fliegt, ist Baiona eine richtig tolle kleine Stadt. Und für uns war und ist der Aufenthalt hier recht gesellig. Zuerst kamen uns René und Ingrid (ehemaliger Arbeitskollege von Heiko nebst Frau) besuchen und waren unsere Begleitung bei der ersten Ortserkundung. Dann haben wir endlich, endlich die beiden Hamburger Worlddancer Heike und Herwig wiedergetroffen und einen unterhaltsamen Tapas-Abend lang alle Abenteuer seit La Coruña ausgetauscht. Die zwei sind weiter gezogen, dafür liegen nun Bobby mit seiner „Karolina“ und Beate und Reiner mit der „Balou“ neben uns im Hafen (alle mit Ziel Karibik), mit denen waren wir gestern unterwegs. Und gerade warten wir mit viel Vorfreude und Sekt im Kühlschrank auf unsere Freunde (und besten Nachbarn der Welt) Walburga und Carlos, die drei Wochen Portugal-Urlaub machen und uns hier und da besuchen werden. Ist also alles nach unserem Geschmack und sehr, sehr gut auszuhalten trotz Starkwind.

 

 

René
August 25th, 2015 at 5:26 pm

Cool… Ich wünsche euch eine gute Reise. Baiona war echt sehr schön.

Achim
August 25th, 2015 at 2:24 am

Hallo Flying Fish,
das mit der Ankerboje ist je ein Ding. Ich wollte auch schon mal eine haben, aber eure Geschichte läßt mich an dem Wunsch zweifeln. Nur mal so aus Interesse…hattet ihr euch vorher die Genehmeigung für die Islas Cies geholt? Wir hatten nämlich keine und waren zwischenzeitlich etwas nervös, dass man uns des Platzes verweisen könnte. Allerdings waren zur unserer Zeit auch nur 4 oder 5 Boote vor Anker (davon ein Schwede, der auf Slip ging und gerade noch von der Crew eingefangen wurde…). Wir liegen immer noch in Las palmas, aber Ende Spetmebre ist dann Schluss, wenn man auch uns wegen der f**** ARC aus der Marina haben will,
Gruß
Achim

Ludger
August 24th, 2015 at 9:35 am

Liebe Heiks,
und wieder beginnt die Woche mit Neid erregenden, schönen Bildern. Musste am Wochenende mal wieder Kielzugvogel segeln, bei bockigem Wind hab ich auf einer Zielkreuz meinen Schoten verloren … ging schon mal besser. Vom Schreibtisch grüßt Euch Ludger

Joana Elisa
August 24th, 2015 at 1:25 am

juhuu trinkt einen Sekt für die Metropolenkinder mit! Wir haben gerade ein nettes Wochenende zusammen in Zürich verbracht und jetzt halte ich ein paar Tage in der ME5 die Stellung – alles gut, nur verregnet hier im Heimat“hafen“ 🙂 Meistert ein jeckes Ekkehart-Treffen in den südlichen Gewässern! 🙂

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