Wer hat an der Uhr gedreht?

Einen ganzen sechstägigen Holland-Arbeitsaufenthalt Ende April mussten wir im Blog unterschlagen, so knapp wurde ganz plötzlich die Zeit. Zu Recht haben uns erste Beschwerden wegen dieser Schlamperei erreicht. Sorry Ihr Lieben, doch an schreiben, lesen, herumsitzen war in den letzten Wochen einfach nicht zu denken, wir geloben aber Besserung. Hier die Kurzzusammenfassung: wir haben den Wassertank mit 2K-Epoxidharz neu laminiert (und er ist dicht, wie wir mittlerweile wissen), eine elektrische Bilgenpumpe mit Schwimmschalter und Dauerstrom eingebaut (die größtmögliche), den Windgenerator getestet (tut!), die Solarpanele angeschlossen (tun ebenfalls!!), den vom Sturmwind verwehten Verklicker im Masttopp ersetzt (um gestern festzustellen, dass der Radarreflektor dort oben ebenfalls weggeflogen ist), hatten einen Tag Spaß mit der Reparatur des versehentlich angebohrten Auspuffschlauchs (den wir infolge eines kleinen Wassereinbruchs im Achterschiff diagnostizierten) und haben tonnenweise Zeugs unterschiedlichster Art hin und her gestaut (um vieles davon direkt wieder zurück nach Köln zu schaffen, nachdem uns die Anschaffung eines deutlich größeren Schiffs kurzfristig nicht realisierbar schien und Anhänger sehr unpraktisch sind). Zu Hause ging der Stress nahtlos weiter: morgens früh aufstehen und einfach bis abends spät durchgehend Dinge erledigen. Den Aufwand, die Wohnung in einen zur Untervermietung geeigneten Zustand zu versetzen, hatten wir leider komplett unterschätzt, auch mussten inmitten des Chaos noch letzte Näharbeiten fürs Schiff erledigt werden. Hinzu kamen kleine schikanöse Tiefschläge wie ein defektes Klo, das zu ersetzen war und natürlich viel Emotion, denn es war die „Zeit der letzten Male“ vor der Abreise: zum letzten Mal durch Köln radeln, zum letzten Mal beim netten Wein-Händler einkaufen, zum letzten Mal mit lieben Freunden zu Abend essen… Bei aller Vorfreude und Euphorie wird dann plötzlich klar, wen und was man alles ganz schön vermissen wird in den nächsten 17 Monaten.

 

 

Am 10. Mai dann der Umzug aufs Schiff. Wir hatten mittlerweile eine gewisse Verpeiltheit an uns festgestellt. So vergaßen wir den leckeren frischen Spargel und andere Dinge, die wir extra für ein feierliches erstes Abendessen an Bord gekauft hatten, leider im heimischen Kühlschrank, dies war aber nur ein kleines von vielen Symptomen. Egal, ersatzweise gab es Kibbeling und weiter ging das Gerödel. Es galt noch möglichst schnell ein Lichtmaschinen- und Motorproblem zu lösen und dann die letzten fixen Termine einzuhalten. Denn am Dienstag musste Heiko noch mal los, um den Firmenwagen in Heidelberg abzugeben und auf dem Weg etlichen Kleinkram von Reifenwechsel bis Baumarkt zu erledigen. Flying Fish bekam zeitgleich einen neuen Innenanstrich von mir verpasst und schon war Donnerstag und neben Heiko im Kreis seiner Familie rückten auch erste andere Partygäste an, die sich Boote gechartert hatten oder mit dem Wohnwagen Quartier im Hafen bezogen. So schön trubelig ging das lange Wochenende los und blieb es, bis wir heute die letzten Gäste verabschiedet haben. Mittendrin: ein wunderbares Abschiedsgrillen am Freitag! Wir waren überwältigt, wie viele liebe Menschen lange Wege auf sich genommen, uns unterstützt und überrascht haben. Deshalb, liebe Leser, fühlt Euch jetzt kurz wie bei den Oscars, bloß dass hier kein Orchester zu spielen beginnt, wenn das vorgegebene Limit überschritten wird!Blog 150518_B13_kl

Denn wir danken ganz herzlich für all die gebastelten, gefilmten und geschriebenen Abschiedsgrüße, für Fachliteratur und Belletristik, für Reiseinspirationen (besonders präzise auf La Palma), für selbstgestrickte Socken, wunderschöne Kölsche Dinge und überhaupt für Dekoratives (das größtenteils schon Ehrenplätze gefunden hat), aber auch für Nützliches im allgemeinen und in Sachen Schiffsreparatur, für feste und flüssige Vorräte, die uns lange Zeit ernähren werden (und möglicherweise nebenbei zu übergewichtigen Alkoholikern machen), für selbstgemixte Backmischungen, für herzliche Worte und die Analyse des Unterschiedes zwischen Booten und Schiffen, für Kontaktpersonen in der Ferne, die zahlreichen großzügigen Leihgaben, die wir für die Reise an Bord haben und natürlich für den schönsten Möhren-Cartoon der ganzen Welt! Außerdem sind wir sehr dankbar für einen Haufen Transportdienstleistungen und Leihgaben rund um die Party, für Auf- und Abbauhilfe, die vielen leckeren Beiträge zum Buffet und das tapfere Frieren bei so guter Stimmung. Danke also für alles, wir haben das Wochenende und all die liebevollen Ideen sehr genossen und Ihr werdet uns ganz schön fehlen!

 

Gerade ist hier in Warns maximal grätziges Wetter: pfeifender Wind, Regen quer und einstellige Temperaturen. Insofern passt es gut, dass wir noch einiges an Bord zu räumen haben. Wahrscheinlich legen wir am Mittwoch ab gen Enkhuizen und dann Almere, um letzte Ersatzteile einzukaufen. Ihr werdet es erfahren!

 

Carsten
Mai 25th, 2015 at 3:39 pm

Ja, Da haben Tobi und Barbara recht
Gaaaanz unschön leer ohne Euch
Und das nicht nur beim anlegen
Wir freuen uns auf Euer Wiederkommen
Sandra und Carsten

Tobias Köngeter
Mai 20th, 2015 at 7:23 am

Ahoi Fische!
Jetzt, da alle weg sind weil 8 bft SW gemischt mit Regen und 12° Kälte die Abschiedsgäste vertrieben haben, keiner mehr bleiben konnte, die Leinen loszuwerfen oder Euch bis Amsterdam zu eskortieren, jetzt, wo Ihr Euch einfach entschlossen habt, loszusegeln, da wird nun das Wetter sonnig, der Sturm legt sich, das Wasser kommt zurück in den ausgewehten Hafen. Ihr habt alles termingerecht hinbekommen, gut vorbereitet, die Möhren werdet Ihr nicht brauchen. Wir folgen Euch in Gedanken Welle für Welle und warten am Steg, wenn Ihr in 17 Monaten wieder anlegt, um die Leinen anzunehmen.
Grüße von der Crew der SOL Y SON
Tobias und Barbara

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