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Blog 150323_B02_oriBisher jede unserer Winterlager-Großbaustellen folgt dieser typischen Dramaturgie: wir stürzen uns voller positiver Energie und durchaus mit Plan und Vorbereitung in die Arbeit und verausgaben uns total. Freunde werden vernachlässigt, Körper durch ständiges Knien, Kauern, Kriechen und die Kälte geschunden. Egal, die Stunden auf der Autobahn und die Kosten für die Unterkunft müssen sich lohnen und das Ziel ist immer klar vor Augen – „Leinen los“ im Mai. Die Gegenleistung des Schicksals für diesen Einsatz: Katastrophen, Zwischenfälle und Verzögerungen aller Art, Sabotage durch Werft und Wetter, mittlere Verzweiflung. Dann irgendwann, nach vielen Wochen, wendet sich das Blatt ganz zart und langsam. Hoffnung keimt auf, dass aus dem verwüsteten Kahn doch wieder ein schönes und seetüchtiges Schiff werden könnte, wir treten ein in die Entschmutzungs- und Wiederaufbauphase. Da sind wir seit diesem Wochenende!

Blog 150323_B03_oriSchon letzte Woche haben wir am Heck einen super konstruierten Davit vorgefunden, mit dem wir unseren Außenborder auf das Dinghi und zurück liften können. Ebenso gut gemacht: der Mast für die Windenergieanlage. Erst waren wir verstimmt, weil wir ihn eigentlich selbst montieren wollten und die Werft einfach die Stützstreben auf die Reling geschweißt hat, doch bei näherem Hinsehen war klar, dass wir mit den geplanten Schraubverbindungen eine solche Stabilität nicht annähernd hinbekommen hätten. So konnten wir uns direkt dem Einbau des Gasherdes widmen, der nun wirklich edel aussieht in seiner neu ausgekleideten Nische und Vorfreude auf die Selbstversorgung an Bord macht. Nicht so edel war die Situation in unserem Ankerkasten, so dass wir zur Sicherheit noch den Austausch einiger Bleche in Auftrag gaben. Dies wurde prompt innerhalb einer Woche und mal wieder mit bewundernswerter Kunstfertigkeit erledigt. Und da durch die Ankerwinsch doch mehr Wasser ins Innere zu gelangen scheint als gedacht, haben wir gleich noch eine stillgelegte zusätzliche Lenzmöglichkeit für das Vorschiff reaktiviert. Dies erforderte beherztes Bohren von außen mitten in die Steuerbordseite von Flying Fish, wo man den alten Austritt des Rohres unter dem Lack noch erahnen konnte. Nach zahlreichen Bohrer-Wechseln war das Loch irgendwann groß genug, um den Holzstopfen darin und die umgebende Spachtelmasse rückstandslos zu entfernen.

Blog 150323_B04_oriLetzteres war mit unserer Bohrmaschine gut zu machen, bei einer 50 Millimeter-Kernbohrung durch das Deck allerdings begann sie entschlossen zu qualmen und trat in den Streik. Netterweise half uns die Werft mit einer stärkeren Maschine aus, so dass wir unseren Schwanenhals zu Ende montieren konnten, inklusive Gewinde schneiden und Sikaflex-Ferkelei. Durch ihn sollen sämtliche Kabel für Solar- und Windenergie und diverse Antennen an Deck gelangen, ein recht wichtiges Teil also. Doch die allerbedeutendsten Erfolge zum Schluss: wir haben wieder Bordstrom, die vier neuen AGM-Verbraucher-Batterien und die Starterbatterie sind eingebaut und fast fertig angeschlossen. Ein sehr lieber Freund, den wir gelegentlich mit Elektro-Fragen quälen, hat eigens eine gigantische Crimpzange für uns organisiert, die wir leihweise mit nach Holland nehmen durften. Außerdem haben wir im Motorraum Auspuff, Kühlkreislauf und alles, was sonst noch für das Schweißen der Plichtrohre demontiert wurde, wieder verbunden, wir sollten also starten können. Und wir haben gestern noch sowohl das Antifouling als auch die blaue Rumpflackierung hinbekommen. Für letztere war es sicher wieder ein paar Grad zu kalt und außerdem ist gleich ein Geschwader kleiner Fliegen drauf gelandet, aber naja, das wird unter „irgendwas ist immer“ verbucht. Hauptsache ist, dass wir an Gründonnerstag ins Wasser können, sofern das Wetter uns kranen lässt. Die Sehnsucht ist groß und wird noch geschürt von den Stegnachbarn und Segelkollegen, die langsam aus dem Winterschlaf erwachen, wieder aus ihren Löchern kriechen und erste Pläne und Verabredungen kommunizieren. Kurz: wir möchten zurück in die „Vrijheid“!

 

 

ute schlott
März 29th, 2015 at 9:40 am

Hallo ihr zwei tapferen Wetter/Werftkämpfer!
Wir drücken euch für Gründonnerstag ganz doll die Daumen für den Krantermin. Wetterprognose für uns an der Elbe: Schneeschauer und Starkwind aus Nordwest…. wir werden trotzdem über Ostern mal die Auriga-Nase aus der Glückstädter Schleuse stecken (und wehe, die Heizung versagt!) Toi, toi, toi weiterhin, wir folgen Euch gespannt.
Liebe Grüße
Ute & Manfred

Sabine
März 27th, 2015 at 9:38 am

Liebe Heiks,
die Pantry sieht großartig aus. 🙂
Wenn der Herd schwingt, achtet darauf, dass der Gasschlauch nicht an der Bordwand scheuert. Da fehlt dann nach 500 sm auf einmal die Hälfte vom Schlauchmantel (ist uns grade passiert).
Also gut tapen oder hochbinden.
LG Atanga-Crew

Joana Elisa
März 27th, 2015 at 8:30 am

Ofen ist drin, dann kann es ja losgehen 🙂 Ich fang dann schonmal mit dem Eintüten von Backmischungen an 😉

KRE
März 24th, 2015 at 1:34 pm

Liebe Heiks … da habt Ihr ja eine sehr schöne Kombüse hergerichtet … tolle Kombination von Mops und Gasflasche … weiterhin frohes Schaffen und versteckt mir zu Ostern keine bunten Eier an schwer einsehbaren Stellen … die halten keine 52 Tage …. Euer KRE

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