Kursänderung

Wir grüßen Euch herzlich aus dem französischen Camaret sur Mer, ganz in der Nähe von Brest. Dorthin haben wir heute früh den Kurs geändert, nachdem wir über Kurzwelle aktuelle Wetter-Gribfiles empfangen und ausgewertet haben. Und da gab es nichts zu diskutieren, so eindeutig waren die: aus dem kleinen Tiefausläuferchen, mit dessen unangenehmen Begleiterscheinungen wir zu leben bereit waren, ist ein fettes, ausgewachsenes Tief geworden mit Wind bis zu 38 Knoten (8 Beaufort), dazu vier bis fünf Meter hohe Wellen. Die hätten uns morgen in der Biskaya erwischt und das braucht niemand. Hier zum Vergleich die Vorhersagen für Freitag von gestern und von heute:

 

 

Schade, nun war die ganze Aufregung erst mal umsonst und wir waren tatsächlich beide ziemlich nervös. Auf unterschiedliche Art. Bei mir äußert sich das, indem ich wegen fieser Träume von Monsterwellen und plötzlich unter uns auftauchenden U-Booten nicht schlafen kann und Bauchgrummeln kriege. Heikos Nervosität ist dagegen eher von der extrovertierten Sorte: er hadert hörbar und lange mit jeder kleinen Entscheidung, wirkt insgesamt ein wenig verwirrt und treibt seine Umwelt in den Wahnsinn. Und seine Umwelt, das bin im Moment nun mal vor allem ich. So war unser Aufbruch gestern in Falmouth ein wenig chaotisch, doch als erst mal alle Segel gesetzt waren, kehrte Segelfrieden ein. Und kaum war England außer Sicht, wurden wir das erste Mal von Delfinen begleitet, einer Schule mit mindestens fünfzehn Tieren. Wie pfeilschnelle Torpedos schwammen sie vor und neben uns und immer wieder unter Flying Fish hindurch. Nach rund zehn Minuten fanden sie uns wohl als Spielkameraden zu langweilig und verschwanden wieder in der Tiefe. Und wir, wir halluzinierten vor Begeisterung noch eine ganze Weile Rückenflossen in jede Schaumkrone.

 

 

Schon ging es in die mondlose und echt kalte Nacht. Wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat, die anrollenden Wellen nur zu hören und nicht zu sehen, ist es wirklich schön da draußen und so ein Sternenhimmel entschädigt für viel Strapaze. Dennoch wird der, der gerade in der Kiste (unserer Leekoje im Salon) schlafen darf, vom anderen immer glühend beneidet. Denn es sieht zwar nicht wirklich so aus, aber wir finden beide, dass das einer der kuscheligsten Schlafplätze der Welt ist. Tja, und nun also Camaret statt Coruña. Wir haben direkt Sybille und Dieter von der „Lycka“ wiedergetroffen, die wir aus Weymouth kennen. Sie warten hier schon seit über einer Woche auf Biskaya-Wetter und aktuell ist einfach keins in Sicht. Eigentlich könnte es uns auf Langfahrt egal sein, schauen wir uns halt noch ein paar französische Orte an. Doch Anfang August kommt unsere Freundin Elke aus Hamburg nach Spanien geflogen und darauf freuen wir uns schon ewig, genau wie sie. Also heißt es weiter gewissenhaft Wetter checken und Hoffnung nicht aufgeben.

Frank
Juli 27th, 2015 at 9:31 am

Immerhin habt ihr den ersten Step gemacht auf dem Weg über die Biskaya! Die weiteren kommen bestimmt bald. Ich drücke euch die Daumen!

Rainer
Juli 24th, 2015 at 5:04 pm

Hallo Heiks,
da habt ihr wirklich alles richtig gemacht. Ich hab auch mit Ugrib geschaut und ich wäre nicht gefahren. Tolle Wettertante habt ihr da. Die Internetseite PassageWeather ist auch nicht schlecht. Viel Erfolg und liebe Grüße von der Chili, Rainer

Ludger
Juli 24th, 2015 at 8:49 am

Hallo Ihr Beiden, weise Entscheidung – habe so drei bis vier mal am Tag in den Mainstream Wetter Bericht geschaut – der zeigte schon bis 30 Knoten in der Biskaya. Alles richtig gemacht und Camaret und die umliegende Küste ist echt schön. Liebe Grüße vom Schreibtisch, Ludger

Ludger
Juli 26th, 2015 at 11:08 am

Hallo Ihr Beiden, gestern hat´s NL und den deutschen Norden und Westen getroffen! In NL einer der schwersten Sommerstürme seit Beginn der Aufzeichnungen mit viel Unglück. Bei uns wurden alle Veranstaltungen abgesagt und wir haben Matthias (der natürlich genau an so einem Tag zu uns kommen will) in Münster abgeholt. Ist in Bremen gestrandet und dann via Mitfahrgelegenheit noch bis Münster gekommen. War aber ein anderes Windsystem als das Eure. Herzliche Grüße von der Gartenbank aus dem wieder sonnigen, sommerlichen Duisburg, Ludger

Sabine
Juli 24th, 2015 at 1:05 am

Liebe Heiks,
wir sind froh Euch in Frankreich zu wissen.
Wir hatten das Wetter beobachtet und uns gefragt, wo Ihr das Wetterfenster gesehen habt.
Gut gemacht, dass Ihr abgebogen seid…
LG
Joachim&Sabine

Joachim
Juli 24th, 2015 at 1:14 am

Hi, für den Fall, dass ihr es noch nicht gemacht habt, ladet euch doch zygrib aus den Netz. Ich finde die Gribs sehr hilfreich.
….und Sabine hat Recht. s ist schön euch in Camaret zu wissen.
Grüsse, Joachim

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