Der offizielle Beginn unserer beinahe-never-ending-Parasailor-Story war im Januar, als wir das Segel nach vielen Diskussionen und Überlegungen auf der Boot Messe Düsseldorf verbindlich bestellten. Warum diese Entscheidung? Selbst nach über zehn Jahren bleibt die Erinnerung an manche Phasen auf dem Atlantik allzu lebendig: an das im achterlichen Passatwind tagelang absurd hin und her geigende Schiff, die flappenden Segel, die jämmerliche Mopsgeschwindigkeit. Der Parasailor verspricht Abhilfe, er kombiniert einen symmetrischen Spinnaker mit einem flugschirmartigen Flügel, der Auftrieb erzeugt und das Segel stabilisiert. Und er hat (im Gegensatz zum Gennaker) einen gigantischen Einsatzbereich, kann auf Kursen zwischen 70° und 180° zum Wind gefahren werden, ohne Spinnakerbaum. Gleichzeitig ist er jedoch monströs groß (in unserem Fall 120 m²) und filigran konstruiert und man muss mit dem Risiko umgehen, dass beim Setzen oder Bergen trotz Snuffer (Bergeschlauch) etwas schief geht, wenn der Wind zu schnell auffrischt, sich Leinen in der Saling verheddern etc. Die persönliche Lieferung und Einweisung ins Handling des Segels seien inklusive, hatte uns Bojan, der niederländische Vertriebspartner des Herstellers Istec, gleich zu Beginn erklärt. Ende Juni, in Porto, kommt er schließlich an Bord. Wir verlegen Flying Fish an einen Steg mit viel Platz nach Lee und schlagen erstmals das Segel an. Es braucht neben dem Fall vier Leinen, zwei Schoten und zwei Guys, letztere laufen über Blöcke ganz vorn im Bug zu den Winschen ins Cockpit. Das Handling ist relativ einfach und viel schneller als gedacht steht unser Parasailor stolz an Backbord. Bojan erklärt uns, was wir beim Setzen, Bergen und Halsen beachten müssen, dann werden die Böen stärker und kurz bevor wir samt Steg ablegen, ziehen wir schnell den Snuffer wieder über das rote Tuch.
Zweierlei lässt uns der Vertriebler da neben unserem neuen Segel: einen wirklich hartnäckigen Husten und das Problem, dass die beiden Bugblöcke zu nahe an unserer Furlex sind und diese auf die Dauer zerstören würden. Unser Schiff muss blöderweise länger werden! Also beginnen wir zu tüfteln, entwickeln und verwerfen immer wieder neue Ideen. Eine überzeugt uns schließlich, doch erst in Portimão finden wir einen Aluminium-Schweißer, der anhand unserer Zeichnungen und eines Modells das acht Zentimeter lange Teil fertigt, das wir brauchen. Ende August halten wir es in Händen, primern und lackieren es, bohren beherzt vier große Löcher in den Bug und schrauben es fest. Weil das Auge ebenfalls mitisst, ersetzen wir auch noch die Holzbeplankung durch eine entsprechend längere, auf ein paar Stunden Geschnitz kommt es nun auch nicht mehr an. So basteln wir in Ayamonte, fahren fort im Puerto Sherry und finalisieren das Ganze in Cádiz. Und finally – tadaaa! – scheint nun die Rechnung aufzugehen und die langen Crossings verlieren ein wenig an Schrecken.
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Was für ein starkes Segel!!! Flying Fish komplett. In das Segel können wir unsere ganze Wohnung einpacken. Ist bestimmt besser zu händeln wie ein Spi, vor dem hatte ich immer Respekt. Der Bugsprit macht jedem Bootsbauer alle Ehre. LG hup