Dreißig letzte Atlantik-Meilen vor der portugiesischen Küste, dann erreichen wir den Río Guadiana und steuern die Marina von Ayamonte auf der östlichen, spanischen Seite des Grenzflusses an. Der Ort zieht uns sofort in seinen Bann: hübsche Gassen, palmenumstandene Plätze, viel Gastro und Lebendigkeit. Dazu Schmuck in den Straßen, es ist der letzte Tag des jährlichen Festes zu Ehren der Stadtpatronin Nuestra Señora de las Angustias. Als Höhepunkt wird am Abend deren Statue in einer feierlichen Prozession durch das historische Zentrum der Stadt und dann zurück in die Pfarrkirche getragen, da mischen wir uns natürlich unter das – teils ganz schön aufgerüschte – Volk. Um 21 Uhr geht es los: Begleitet von Musikkapellen, Geistlichen, Ehrengästen und inmitten vieler Schaulustiger biegt der Prozessionsaltar um die Kirchenecke. Dargestellt ist die Muttergottes in dramatischer Schmerzenspose mit dem toten Christus auf ihrem Schoß. Das Ganze scheint tonnenschwer zu sein und wir fühlen mit den zahlreichen Trägern, von denen nur weiße Socken und Sneaker zu sehen sind: In Zeitlupe und mit Trippelschritten bewältigen sie Kurven und kleine Richtungsänderungen, immer wieder stockt der Zug minutenlang. Die Prozession fühlt sich für uns an wie ein Gottesdienst im öffentlichen Raum, der vor allem lokale Identität und Zusammenhalt feiert. Schon faszinierend, aber eindeutig gehören wir hier nicht dazu und biegen ehrlicherweise ziemlich bald ab, um etwas zu essen zu suchen.
Noch ein paar Basteltage in der gemütlichen Marina, dann ist es höchste Zeit für die Erkundung des Grenzflusses. Nordwärts geht es unter der Puente Internacional del Guadiana hindurch ins Landesinnere. Im Februar gab es hier nach Starkregen eine dramatische Hochwasserwelle und die BigFoots hatten uns gewarnt, dass die Fahrwasserbetonnung schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und tatsächlich: Sämtliche Seezeichen sind stromabwärts geneigt, abgebrochen oder verschwunden, einige behelfsmäßig mit Bojen versehen. Auch ein paar an die Ufer geworfene Yachten lassen erahnen, was für eine Naturgewalt hier am Werk war. Immer einsamer wird die trockene, hügelige Landschaft flussaufwärts, bis nach 20 Meilen die Orte Alcoutim auf portugiesischer und Sanlúcar de Guadiana auf spanischer Seite auftauchen. Unser Anker fällt dazwischen – bis wir zu unserer Linken die riesige Bühne und einen schwimmenden Feuerwerk-Sprengplatz entdecken. Heute nicht, uns ist nach Einsamkeit und Bord-BBQ, so suchen wir uns lieber weiter nordwärts ein idyllisches Plätzchen und verbringen einen traumhaften Abend: Grillen zirpen, der Sternenhimmel ist fantastisch, auf spanischer Seite klingeln sanft die Glöckchen einer Ziegenherde. Das entschlossene Klopfen an den Schiffsrumpf nehmen wir erst aus der Koje wahr. Leider transportiert der Fluss hier oben eine Unmenge Bambus und anderes Geäst, mit jeder Tide schwappt es hin und her. Immer wieder sammeln sich an Flying Fishs Ankerkette halbe Wälder an, zu deren Beseitigung erstmals seit der Zeit auf Spitzbergen der Eishaken zum Einsatz kommt. Und schon hat die Romantik ein gewaltiges Loch.
Dann eben doch Party, wir verlegen uns am nächsten Vormittag an den langen Steg von Sanlúcar. Hübsch weiß getüncht schmiegt sich der kleine Ort an den Hang, gekrönt von den Überresten des Castillo de San Marcos. Von hier bietet sich ein wunderbarer Blick auf das genau gegenüber liegende portugiesische Pendant: Auch da kleine verschachtelte Häuser und eine Bilderbuchfestung samt stolz wehender Flagge, das Castelo de Alcoutim – und nach wie vor die fette Bühne am Ufer, immer noch wird das jährliche Ortsfest gefeiert. Wir könnten die kleine Personenfähre nach drüben nehmen, doch es gibt eine spannendere Transportvariante: die Zipline von Límite Zero, etwa 720 Meter lang. „La única tirolina transfronteriza del mundo“, wirbt der Veranstalter, es lebe das Alleinstellungsmerkmal! Wir werden mit stabilem Gurtzeug und Seilrollen ausgestattet, dann geht es per E-Bus hinauf zum Startpunkt. Eine kurze Sicherheitseinweisung, schon werden wir nacheinander in die Seilrutsche eingehakt und flitzen mit knapp 80 km/h über den Río Guadiana, der Fahrtwind kühlt wunderbar, bis wir auf der portugiesischen Seite automatisch abgebremst werden. Viel zu schnell ist dieser Spaß vorbei! Fünf Minuten Fußmarsch und wir sind in Alcoutim, wo bereits erste Musiker in den Straßen unterwegs sind. Wir schlendern herum, machen es uns zum Hauptact mit Gin Tónicos auf einem Mäuerchen gemütlich, genießen die Atmosphäre. Das Feuerwerk des Tages sehen wir von unseren Logenplätzen vom Schiff aus, damit könnte eigentlich dieser wunderbare Tag zu Ende gehen. Doch wir haben die Rechnung ohne den DJ gemacht, der grenzüberschreitend und bis in die Morgenstunden auch Sánlucar mit den wummernden Bässen der Hits der 80er beschallt. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Rückweg und tatsächlich wird unsere dritte und letzte Fluss-Nacht, schon wieder nahe der Mündung, absolut ruhig und entspannt! Gern hätten wir mehr Zeit auf dem schönen Río Guadiana verbracht, doch bei bis zu 38 Grad wuchs die Sehnsucht nach einer frischen Meeresbrise. Inzwischen schwimmt Flying Fish wieder im blauen Atlantik.
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Großartig!! Weiter so.
Hallo ihr Zwei Lieben,
Dank für euren schönen Bericht, genau zur rechten Zeit, hier wird es gerade kalt und regnerisch und die Tage kürzer, der Herbst streckt seine Fühler aus…
Liebe Grüße und noch eine schöne Zeit
Von den KNUTT’is














Bin selber gerade erst ein paar Tage aus meinem Urlaub auf Korfu zurück und schon sorgt ihr mit tollen Fotos für einen Nachschlag an Urlaubserholung 😀
Ihr seid jetzt in dem Abschnitt von Andalusien, den ich sehr mag, Einige tolle Städtchen liegen im Landesinneren wie Jerez oder Arcos de la Frontera, aber auch an der Küste gibt es einige Perlen. Mein persönlicher Favorit ist Conil de la Frontera.
Habt weiterhin eine schöne Zeit und ich bin gespannt wo ihr die nächsten Stopps einlegt.