Vigo

Beim nächsten Mal würden wir auf jeden Fall für mindestens zwei, drei Tage im Zentrum festmachen und die Stadt gründlich erkunden, so schrieben wir an dieser Stelle im August 2015 nach einem Kurzbesuch in Vigo per Bus. Tja, dieses Versprechen haben wir mehr als eingelöst, satte zweieinhalb Wochen lagen wir im Real Club Nautico, haben unzählige Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Stegnachbarn kommen und gehen sehen, durften eine Seenotrettungsdemonstration für Schüler samt Löschboot- und Hubschraubereinsatz mitverfolgen und hatten überhaupt viel Trubel um uns herum. Vigo war so schön und lebendig, wie wir es in Erinnerung hatten, diesmal sogar bei bestem Sommerwetter. Doch vor allem haben wir schnell festgestellt, dass Galiciens größte Stadt ein wahres Erledigungsparadies ist: So konnten wir endlich unsere Feuerlöscher warten lassen und einen Segelmacher finden, der für uns ein paar kleine Reparaturen in seinen vollen Terminkalender gequetscht hat. Außerdem gibt es einen Haufen Fachgeschäfte und sogar eine Art Baumarkt. Unermüdlich sind wir per Rad und zu Fuß hin und her gewuselt, haben immer neue Beute in unsere Bootshöhle geschleppt, hier und da mit Stadtbummel und Einkehr kombiniert. Auch warteten schon ein paar zuvor bestellte Dinge auf uns (u. a. unser Watermaker, der in ferner Zukunft zwar nicht Wasser zu Wein, aber immerhin Salzwasser zu Trinkwasser machen soll), die Marina-Rezeption nimmt bereitwillig Lieferungen aller Art entgegen.

Nur eines konnten wir weder in Vigo noch in Rest-Spanien auftreiben: würdigen Ersatz für unsere Ankerkette, an der der Zahn der Zeit allmählich nagte. 100 verzinkte Meter sollten es sein, 8 Millimeter stark, hochfest in der besten Güteklasse (G70 mit mindestens 70 kN Bruchlast). Da unser Leben dranhängt, sind wir hier nicht zu Kompromissen bereit und bestellen sie letztlich beim Hamburger Fachhändler Toplicht (unser Lieblingsversender SVB kann gerade nicht liefern). Dort werden wir telefonisch nett beraten, eine Woche soll der Versand per DHL Freight dauern. Wir bezahlen sofort (am gestrigen Mittwoch vor zwei Wochen war das) und melden uns am folgenden Nachmittag nochmal, nachdem der angekündigte Tracking-Link nicht geschickt wurde. Da ist unser Ansprechpartner auf einmal wie ausgewechselt und gar nicht mehr nett. Letztlich wird die Kette erst am Montag darauf von der Spedition abgeholt und die Zustellung für Freitag angekündigt – um sich Freitag früh auf Montag zu verschieben. Wir verbringen das Wochenende vor Anker in der fünf Meilen entfernten Traumbucht Enseada da Barra, kehren dann in die Marina zurück. Am Montag wird die Lieferung auf Dienstag verschoben. Am Dienstag passiert nichts und das Tracking friert ein. Nun wollen wir wirklich allmählich weiter! Nachdem sich am DHL-Sorgentelefon niemand meldet und unser Versender schreibt, dass er zwar bedauert, aber rein gar nichts tun kann, haben wir gestern die Sache selbst in die Hand genommen und das Büro der Spedition in Vigo heimgesucht. Zweiter Stock, unten kein Schild, auf unser Klingeln oben wird zaghaft geöffnet und ein sehr hilfsbereiter Mitarbeiter hört sich unser Drama an und findet heraus: Die Verpackung der Sendung ist kaputt gegangen, daher die Verzögerung, aber nun werde sie verladen und in die Marina transportiert. Mit neuer Hoffnung radeln wir zurück und tatsächlich, ein paar Stunden später kommt der LkW und entlädt einen völlig zerfledderten Papp((!)karton, aus dem 150 Kilogramm Ankerkette quillen, von DHL notdürftig mit Folie umwickelt. Dieses Toplicht ist wirklich eine Funzel.

Tja, und an genau dieser neuen Kette hängen wir jetzt im Ankerfeld von Baiona, haben gestern Nachmittag nach dem Kettentausch noch abgelegt und sind bei leichtem Wind hierher gekreuzt, voller Lust auf Tapetenwechsel und das nette Städtchen, das wir vor elf Jahren schon mochten. Flying Fish hat der lange Stillstand in Vigo indes ziemlich gutgetan, wir wussten die Wartezeit zu nutzen: So ist die Bilge frisch lackiert und eine stärkere Bilgenpumpe samt Schlauch mit größerem Durchmesser eingebaut, eine Decksdusche installiert, die Salzwasserpumpe im Vorschiff repariert, die elektrische Ankerwinsch sorgfältig gewartet, nach den Laufflächen haben wir auch das obere Deck neu beschichtet (Epifanes-Lack mit Rutschfest-Substrat), zudem erste Vorbereitungen getroffen zur Unterbringung der Watermaker-Komponenten. Wir versprechen aber, dass wir nicht komplett vom Segel- und Reise- zum Wartungs- und Reparaturblog mutieren werden!

Suse
Juni 19th, 2026 at 4:15 p.m.

Sehr hübsches Städtchen, sehr zerknüllter Kettenkarton, sehr fleißige Heiks!! Liebe Grüße aus dem auch recht hübschen Höllenhagen ohne Kette und faulen Bewohnern 😉

Carsten
Juni 18th, 2026 at 10:22 p.m.

Ja, ihr zwei, das war ja heute wirklich schon fast ein Hafenblog….
Gehört aber halt auch mal dazu, und Vigo hat ja auch eine sehr schöne DHL Filiale 😉👍
Und jetzt geht’s zu weiteren tiefen Ufern und Anker-Feldern.
Weiterhin eine schöne Reise und Dankeschön fürs mitnehmen….😉
Und gut sieht nicht nur der kettenspleiß aus, auch ihr zwei…😎😎
LG von den KNUTT’is

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