Sog und Wellenschlag vermeiden

An Tag drei wird es uns langsam zu bumpy im Ankerfeld vor Lagos, wo von morgens früh bis abends spät die Ausflugsboote vorbeikrachen und für Seegang aus allen Richtungen sorgen. So verholen wir Flying Fish in den benachbarten Rio de Alvor, bekannt für schöne Natur, flaches Wasser und sich rasch verschiebende Sände, die „eyeball navigation“ erfordern. Ab halber Tide kann man hinein und zum Glück halten wir uns an den Rat, die Einfahrt nur sehr langsam und bei auflaufendem Wasser zu versuchen – denn schon in der ersten Kurve fahren wir uns mit einem kräftigen Ruck fest, der Wind drückt uns zusätzlich landwärts. Gerade wollen wir mit dem Kajak den Heckanker ausbringen, um uns wieder ins Tiefe zu ziehen, da kommt ein Fischerboot vorbei. Dessen Bugwelle ist unsere Chance! Sobald sie uns erreicht, geben wir entschlossen Rückwärts-Gas, kommen wieder frei und ersparen uns eine Menge Gewiggel. Was wir eben noch verflucht haben, ist jetzt höchst willkommen, so viel Flexibilität muss sein! Noch vorsichtiger geht es weiter, zwanzig grundberührungsfreie Minuten später fällt der Anker mitten im Fluss. Ein toller Platz! Bei Niedrigwasser laufen wir auf den – erschreckend nahen – Sandbänken herum und paddeln zwischendurch nach Alvor, um einzukaufen und das liebevoll gemachte kleine Museum rund um das Lifeboat anzusehen, das genauso heißt wie Ort und Fluss. Von 1933 bis 1983 war es im Einsatz, um bei schlechtem Wetter Fischern und anderen Schiffen beim Überqueren der gefährlichen Barren in der Einfahrt zu helfen. Hätten wir auch bei gutem Wetter prima gebrauchen können…

Nächster Stopp: die riesige und gut besuchte Ankerbucht vor Portimão. Diesmal schauen wir nicht nach dem besten Platz im Feld, sondern steuern einfach zielsicher die SY BigFoot an und ankern daneben. Nach neun Jahren endlich ein Wiedersehen mit Steffi und Jörg, die mit einem der raren Schwesterschiffe unserer Ur-Flying Fish an der Algarve unterwegs sind! Bereits im Vorfeld haben sie uns in die WhatsApp-Gruppe der Portimão-Segler aufgenommen und sofort werden wir herzlich integriert: Es gibt gemeinsame Küstenwanderungen und Picknicks, das Pizzaessen am Montag und den Kuchen-Treff am Freitag. Schon nach wenigen Tagen verstehen wir gut, warum so viele Crews länger hier verweilen: Die Geselligkeit macht Spaß, die Küste ist atemberaubend schön (die Bebauung hier und da nicht so), und für jeden Landgang-Geschmack wird etwas geboten: Party-Portimão mit seinen tausenden Strandtouristen am Westufer des Rio Arade, von dort wummern am Wochenende die Bässe über das Wasser und selbst die Zikaden klingen leicht hysterisch. Direkt gegenüber dann das hübsche, beschauliche Fischerdorf Ferragudo, gemütlich und entspannt. Außerdem eine super Infrastruktur für Segler: Shipshops und alle möglichen Gewerke, nah beieinander, nur zwanzig Dinghiminuten entfernt. So haben wir in der letzten Woche noch einige Projekte und Anschaffungen angeleiert (über die teils später noch zu berichten sein wird), konnten sogar endlich unsere Rettungsinsel zur überfälligen Wartung abgeben. Seit gestern liegen wir (gut durchgeschüttelt, denn auch in dieser Anchorage geht es zu wie auf der Autobahn) in der Marina von Portimão. Hier bleibt Flying Fish die nächsten zweieinhalb Wochen festgebunden, während wir in Deutschland sein werden. Der Blog pausiert also ein wenig, nicht wundern!

Svenja
August 4th, 2026 at 10:17 p.m.

Mal wieder tolle Fotos und Eindrücke, die ihr hier mit uns teilt. Vielen Dank dafür!

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