Costa de la Luz

Wunderbares Andalusien, wie unendlich viel es zu entdecken gibt entlang der Costa de la Luz! Das charmante Chipiona mit seinen zerzausten Palmen zum Beispiel: Hellgrün schimmert hier der Atlantik, die Strände sind feinsandig und goldgelb. Direkt dahinter reihen sich die bekanntesten Wahrzeichen der Kleinstadt: der mit 69 Metern höchste Leuchtturm von Spanien, das Castillo aus dem Mittelalter und die Klosterkirche Santuario de Nuestra Señora de Regla. Die für uns spannendste Besonderheit jedoch befindet sich meist unter Wasser: Die Corrales de Pesca sind von Menschenhand aus Stein errichtete Gezeitenbecken und stammen teils noch aus der Römerzeit. Bei Flut gelangen Fische, Tintenfische und Krebse auf Nahrungssuche hinein und bleiben, wenn sich das Wasser wieder zurückzieht, in den Becken eingeschlossen. Dann gehen die Mariscadores, die traditionellen Fischer, los, um den Fang einzusammeln. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Chipiona kaum Fischerboote, die Corrales konnten die gesamte lokale Bevölkerung ganzjährig versorgen. Aufgrund dieser Fakten und den vielversprechenden Schildern am Ufer (s. Blogbild) rechnen wir damit, im seichten Wasser einen Haufen Tiere zu entdecken. Doch Pustekuchen, außer zwei winzigen schwarzen Krebslein und ein paar Seevögeln sehen wir – nichts. So bleibt nur übrig, sich ersatzweise einer anderen Besonderheit Chipionas zu widmen: Die Stadt ist auch berühmt für ihren süßen Moscatel-Wein. Und der schmeckt, dafür dass er süß ist, erstaunlich gut.

Von Chipiona wollen wir gemütlich auf Amwindkurs gen El Puerto de Santa Maria segeln, doch der Wind hat andere Pläne, dreht auf gegenan und legt einen Zahn zu: sechs bis sieben Beaufort direkt auf die Nase. Fünf anstrengende Stunden auf der Kreuz später wissen wir recht genau, wo im Schiffsinneren in Sachen Seeklarheit noch nachgebessert und festgebändselt werden muss. Der Anker fällt in der Bucht direkt neben dem Puerto Sherry, in den wir uns am nächsten Morgen bei sanfteren Bedingungen verholen. Hier kommen nach und nach unsere wirklich allerletzten Bestellungen und Pakete an, eine Arbeitswoche ist angesagt. An deren Ende sind wir ein großes Stück weiter: Neben ein paar Kleinreparaturen und Ausbesserungen haben wir nun eine maßgeschneiderte winddurchlässige Beschattung für unser Cockpit und eine praktische Außendusche, der defekte Windgenerator ist ausgetauscht, der Wassermacher kurz vor fertig installiert und die hinteren Abschnitte unserer Drahtreling durch Edelstahlrohre ersetzt, die mit Solarpanels bestückt sind. Fun Fact: In früheren Blogbeiträgen haben wir im Zusammenhang mit solchen Arbeiten mal Rückenschmerz und wehe Knie erwähnt. Daraufhin wurde unser kuscheliger, kleiner, altmodischer Blog jüngst allen Ernstes als Werbepartner für eine neue Coaching-App der Freeletics-Gründer angefragt – für gesundes, leistungsfähiges Altern. Obwohl wir keine Ahnung haben, was dieses „Altern“ jetzt mit uns zu tun haben soll, schauen wir uns die Sache demnächst mal genauer an.

Auf viel Arbeit folgt viel Vergnügen und Andalusiens Hauptstadt Sevilla ist nur 110 Kilometer entfernt. Dort schlendern wir unter Orangenbäumen, über weite Plätze und durch prachtvolle Straßen, bewundern die Hauptsehenswürdigkeiten und flanieren am Guadalquivir. Auf dessen Westseite besuchen wir das Centro Andaluz de Arte Contemporáneo (CAAC), das sich im ehemaligen Kloster Santa María de las Cuevas befindet. Historische Architektur und moderne Kunst, immer eine fantastische Kombination (wenn auch die Motive der Alien Queen-Ausstellung teils etwas verstörend sind)! Am Abend folgt Kunst, die neben den Augen auch die Ohren berührt. Im jüdischen Viertel Barrio de Santa Cruz treffen wir unsere Kölner Nachbarn und Freunde Pepa und Peter. Die beiden sind ortskundig und laden uns zum Auftakt unserer gemeinsamen Zeit in ihr Lieblings-Flamencolokal ein, das Tablao Flamenco Los Gallos. Fünf Musiker und drei Tänzerinnen performen in wechselnden Konstellationen auf der kleinen Bühne und wir sind beeindruckt von der rohen emotionalen Kraft des Flamenco. Das Gitarrenspiel ist virtuos, der Gesang berührt direkt das Herz und die drei Frauen tanzen unfassbar kraftvoll und ausdrucksstark (mit keiner von ihnen möchte man Streit haben). Ein letzter Rundgang durch das lebendige nächtliche Sevilla, ein paar leckere Tapas, dann fahren wir 30 Kilometer ostwärts nach Carmona.

Majestätisch thront Carmona auf einem Felsplateau über La Campiña, der andalusichen Tiefebene. Pepa ist hier geboren und aufgewachsen und sie und Peter zeigen uns jeden spannenden Winkel. So erkunden wir römische und maurische Bauten, Stadttore, Plätze und Türme, das interessante Museo de la Ciudad und den Parador, streifen durch die schmalen Gassen. Durch Oliven- und Orangenplantagen fahren wir außerdem ins nahegelegene Constantina für eine hübsche, schattige Rundwanderung. Und immer wieder gibt es Köstliches zu essen. Nicht dass wir in diesem wunderbaren Land je Gefahr gelaufen wären zu verhungern, aber im Schlepptau einer Spanierin unterwegs zu sein, die genau weiß, was wo die angesagte Spezialität ist und wie man sie in Rekordgeschwindigkeit serviert bekommt, das ist nochmal eine andere Genuss-Liga! Nach der Zeit im Inland mit dem gemütlichen Haus unserer Freunde als Homebase wechseln wir schließlich für ein paar weitere Tage zu viert in unsere Flying Fish-Welt, segeln hinüber nach Cádiz und ankern vor dem Stadtstrand Playa de la Caleta, eingerahmt von zwei historischen Festungen. Per Dinghi pöttern wir in die über 3.000 Jahre alte Hafenstadt mit ihren palmengesäumten Plätzen und der Kathedrale, von deren Turm die Aussicht atemberaubend ist. Auch hier kennt Pepa die ultimative Tapas-Bar und bestellt für uns alle. Typisch Cádiz und unser Favorit: Tortillitas de Camarones, das sind dünne, knusprige Fladen aus Kichererbsenmehl mit winzigen Krabben. Selten hat uns Essen mit so vielen Augen angeschaut und selten waren wir von einer kulinarischen Neuentdeckung so begeistert.

Nach der großartigen gemeinsamen Zeit sind wir nun wieder zu zweit an Bord, Flying Fish liegt im Puerto América im Nordosten von Cádiz. Direkt in der Nähe befinden sich die Behörden, bei denen wir ausklarieren werden, sobald sich ein passendes Wetterfenster auftut. Denn bald verlassen wir Spanien und Europa. Nächster Halt: Tanger in Marokko – und von da an Kurs Süd.


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Svenja
Oktober 4th, 2026 at 10:20 p.m.

Ich staune, was ihr so nach und nach alles auf Flying Fish installiert habt.
Und dann wieder die vielen tollen Fotos mit dem Urlaubsfeeling pur. Danke dafür! Sevilla und Cádiz haben mir auch sehr gefallen, wie eigentlich der gesamte südliche Bereich von Andalusien.
Ich drücke euch die Daumen, dass das Wetter mitspielt und ihr demnächst starten könnt.

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