Olá, Portugal!

Schwerer Abschied von Galicien, schönes Wiedersehen mit Portugal – für einen sanften Übergang ankern wir eine Nacht im Grenzfluss Rio Miño. Punta de Cabedelo heißt das zauberhafte Fleckchen, das man nur bei ruhigem Wetter ansteuern sollte. In Schleichfahrt tasten wir uns bei auflaufendem Wasser hinein, vorbei an der kleinen Insel Ínsua mit der gleichnamigen Festung und um eine schützende Landzunge herum, haben manchmal nur wenige Zentimeter Wasser unter dem Kiel. Früher habe man die Gegend alle zwei Jahre neu kartographiert, erklärt uns später ein Polizist bei unserer ersten portugiesischen Bootspapierkontrolle, aber die Sände verschöben sich so schnell, dass dies aufgegeben wurde. Der Ort ist den Nervenkitzel wert: Wir ankern ruhig und idyllisch vor einem kleinen Strand, durch ein Wäldchen können wir zur wildromantischen Küste laufen – der erste echte Strandspaziergang des Jahres. Am nächsten Morgen segeln wir weiter südwärts, langsam verschwindet Spanien aus unserem Blick, wir steuern Póvoa de Varzim an. Im Wasser wird die Fischerbojendichte größer, an Land tragen nun viele Fassaden Fliesen oder die typischen blau-weißen Azulejos. Das Städtchen finden wir eher unspektakulär und die Zwangsbeschallung mancher Plätze mit den Hits der 80er und 90er ziemlich nervig, doch die Bedingungen für den längst überfälligen Backschafts- und Laundrytag sind super. Und kaum ist das Schiff sauber, bekommen wir netten Besuch: Nina aus Köln, die schon lange in dieser Gegend lebt, hat vor zehn Jahren auf den Azoren unsere Leinen losgeworfen für das Crossing gen Heimat. Nun endlich sehen wir sie wieder und sie begleitet uns sogar an Bord von Flying Fish nach Porto.

Unser Party-Timing ist mal wieder grandios: Am Montag kommen wir in Porto an und gleich am Dienstag findet die Festa de São João statt, das große Straßen- und Volksfest zu Ehren von Johannes dem Täufer. Schon mittags erklingt überall in der Stadt Musik, die Stimmung ist ausgelassen. Immer mehr Feiernde sind mit bunten Plastik-Quietschhämmern bewaffnet, die sie sich im Vorbeigehen gegenseitig auf den Kopf hauen. Klingt aggressiv, ist es aber nicht, denn die traditionelle Geste bringt Glück: Man lächelt einander an, neigt einladend den Kopf, und – bong, quietsch – zieht fröhlich weiter. Früher, vor der Chinashopisierung der Welt, wurden anstelle der Hämmer Knoblauchzweige verwendet, keine Ahnung, welche Variante wohl angenehmer ist. Gegen Abend wird der Duft gegrillter Sardinen in den Straßen intensiver und auch wir gönnen uns solch eine einfache, traditionelle Mahlzeit, dazu einen frischen Vinho Verde, es schmeckt köstlich. Als wir wieder aufbrechen, ist es dunkel geworden und der Himmel über der Stadt gesprenkelt von tausenden Skylaternen. Unermüdlich lassen kleine Gruppen inmitten der Menschenmenge weitere Lichter in den Himmel steigen. Dass manche der Papierballons Feuer fangen und zu Boden stürzen, nimmt man gelassen hin, jeder gelungene Start wird von den Umstehenden bejubelt. Der Anblick ist fantastisch. Dann, langsam, verdichtet sich das Publikum, es geht auf das große Mitternachtsfeuerwerk zu. Schon seit dem Morgen sind die zahlreichen Pirotecnia-Plattformen in der Mitte des Douro verankert, pünktlich geht es los: Unmengen Raketen erleuchten den Himmel, nach ein paar Minuten wabert dichter Rauch über dem Fluss, und beim donnernden Finale fragen wir uns kurz, ob die Verantwortlichen die Sache noch im Griff haben. Dann ist es vorbei, langsam schieben wir unsere Fahrräder in der Menge gen Douro-Marina, bekommen noch ein paar letzte Hammerschläge ab – schön, dass wir es miterlebt haben, dieses laute, enge, ausgelassene Fest.

Die Tage nach dem Fest nutzen wir für weitere Streifzüge durch das schöne Porto, das nur eine Viertelstunde Fahrradfahrt von der Marina entfernt ist. Wir schlendern durch verwinkelte Gassen, in denen sich hübsche alte Gebäude aneinander lehnen, genießen die beeindruckenden Views über die Stadt, lassen uns bei einer Free Walking Tour noch ein paar spannende Ecken zeigen und Geschichten erzählen. Dann noch ein wunderbares Kontrastprogramm: Nachdem Nina in unser Seglerleben hineingeschnuppert hat, besuchen wir sie auf ihrer Teeplantage Chá Camélia (www.chacamelia.com) in Fornelo. Seit 2014 kultiviert sie hier Teepflanzen (über 12.000 sind es mittlerweile) nach den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft und produziert hochwertige, handgepflückte Sorten. Ein langer Weg, denn es vergehen fünf Wachstumsjahre bis zur ersten Ernte. Wir bestaunen die unterschiedlichen Camellia-Gewächse mit den zarten Spitzen, die Natur drum herum, die Produktionshalle samt den einfachen Maschinen und Gerätschaften, stellen tausend Fragen, probieren köstlichen Grüntee und verstehen bald, warum die Teeproduktion eine anspruchsvolle Kunst ist. An zweierlei erinnert uns der Plantagenbesuch: Dass das Zeug, das man im Supermarkt beutelweise in bunten Pappschachteln kaufen kann, nicht wirklich Tee ist. Und was für eine Freude es immer wieder bereitet, auf Menschen zu treffen, die lieben, was sie tun.

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