Ría Formosa

Schön war es, nach sechs Jahren erstmals wieder im Sommer in Köln zu sein, Familie und Freunde unter freiem Himmel zu treffen, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu düsen. Schön war es, aber zu kurz – nächstes Mal sind wir länger da! Seit letzter Woche also fahren wir wieder mit unserem Stinkfish-Dinghi umher, haben in Portimão zunächst ein paar Tage lang sämtliches in Auftrag oder zur Wartung gegebenes oder bestelltes Geraffel eingesammelt – und ein Wiedersehen gefeiert: Mit Heike und Herwig von der SY Worlddancer haben wir vor elf Jahren die Biskaya überquert und es ist ein bisschen wie Abitreffen, die gemeinsamen Erinnerungen verbinden und sofort kann man an sie anknüpfen. Noch ein letzter kurzweiliger Abend im hübschen Fischerort Ferragudo, dann werfen wir Flying Fishs Leinen los, es zieht uns weiter ostwärts. Der Übernachtungsstopp am Anker vor dem Touri-Ort Albufeira macht eher wenig Lust auf Landgang, so geht es direkt am nächsten Morgen weiter nach Ría Formosa: ein großer Lagunenkomplex und ausgewiesener Naturpark, der aus Inseln, Kanälen, Salzwiesen, Wattflächen und Dünen besteht. Unser Anker fällt vor Culatra, ein weiteres Mal neben der SY BigFoot, und sicher werden wir hier eine Weile bleiben.

Die Insel Culatra ist schmal und rund sieben Kilometer lang, sandig, autofrei, bekannt für Fischfang, Muschelzucht und Tagestourismus, und sie hat so einen Grad an unaufgeräumter Räudigkeit, den wir mögen. Wir schlendern ausgiebig am Strand entlang und durch die Gassen der drei Siedlungen Culatra, Hangares und Farol (die mit dem Leuchtturm), die sich über die Südwesthälfte verteilen. Viele der weißgetünchten würfelförmigen Häuschen sind liebevoll geschmückt und bepflanzt, doch dafür, dass es eine lokale Initiative gegen Einwegverpackungen gibt, liegt erstaunlich viel Müll herum. Natur pur dagegen ostwärts. Hier ziehen wir das Dinghi bei Niedrigwasser auf die trockengefallene Sandbank, wir haben es auf Schwertmuscheln abgesehen. Vor ein paar Wochen in Alvor sind wir gescheitert, unerwartet schnell konnten sie unseren Fangversuchen in Richtung Erdinneres ausweichen. Doch nun wissen wir, wie es geht: Man finde im Sand die typischen länglichen Löcher, streue ein wenig Speisesalz hinein und träufle Wasser hinterher. Die Muschel glaubt, die Flut käme zurück und schaut kurz nach. Sobald sie sich weit genug ins Freie gewagt hat, kann man sie packen und vorsichtig aus dem Sand ziehen. So bewegen wir uns langsam durch die Landschaft, um uns herum ein paar Einheimische, einige Möwen und ein hungriger Storch, wir alle mit ähnlichen Motiven. 14 Schwertmuscheln erjagen wir in zwei Stunden, am Abend gibt es statt simpler Pasta Funghi eine Gourmetvariante.

Zwei etwas entferntere Ausflugsziele erreichen wir von Culatra aus mit der Fähre. Zunächst Olhão, bekannt als lebendige Fischereistadt. Doch als wir dort sind, fühlt es sich gar nicht sooo lebendig an: Bei lähmender Hitze und stehender Luft schleppen wir uns nur einmal quer hindurch zu der Werft, auf der seit zwei Tagen die SY BigFoot auf dem Trockenen steht und für das Winterlager vorbereitet wird. Ein letztes Mal treffen wir dort ein paar der Portimão-Segler, zu Gast bei Steffi und Jörg, von denen der Abschied besonders schwerfällt. Wie gern hätten wir die beiden überzeugt, uns zu begleiten auf unserer Tour, doch wir sind zu spät. Längst haben sie sich so sehr in Portugal verliebt, dass sie hier sesshaft werden wollen. Da eh schon etwas Schwermut in der Luft liegt, passt es gut, dass uns bei der nächsten Exkursion die Provinzhauptstadt Faro grau in grau mit bedecktem Himmel empfängt. Zudem sind Teile der hübschen Altstadt abgesperrt für ein abendliches Festival. Doch was wir anschauen können, gefällt uns gut, vor allem genießen wir die View vom Turm der Kathedrale über die weite, sich ständig verändernde Tidenlandschaft, die wir kurz darauf mit der Fähre durchfahren werden – zurück zu Flying Fish, die am Anker auf uns wartet. So schön und entspannt es hier ist, allmählich wollen wir weiter, in den Grenzfluss zu Spanien. Gerade ziert sich der Wind, doch vielleicht öffnet sich am Montag ein Fenster für unsere nächste Etappe.

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